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7. Jul, 2019

Das Wichtigste in Kürze: Längst nicht jeder Krebspatient entwickelt ein Lymphödem.

Bei den meisten Operationen oder Bestrahlungen gelingt es heute, wichtige Lymphabflussgebiete zu schonen. Kommt es nicht zu einer Schädigung oder fällt diese nur gering aus, funktioniert der Flüssigkeitstransport aus dem umliegenden Gewebe trotz der Erkrankung normal. Daher sind heute weniger Krebspatienten von einem Lymphödem betroffen als noch vor einigen Jahren. Hinzu kommt: Je wirksamer eine Krebserkrankung behandelt werden kann, desto mehr sinkt auch das Risiko, dass streuende Tumorzellen die Lymphbahnen verlegen. Der folgende Text bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten zum Thema "Lymphödeme bei Krebspatienten". Erkrankte Patienten sollten jedoch beachten: Informationen aus dem Internet können die persönliche Beratung durch Ärzte, Physiotherapeuten, Heilmasseuren oder Pflegefachleute nicht ersetzen!

Erste Anzeichen: Einseitige Schwellungen als Alarmsignal Behandlung: Ausmassieren, komprimieren, Haut schützen Risikofaktoren: Was das Entstehen von Lymphödemen bei Krebspatienten begünstigt Studien zeigen, dass das Lymphödemrisiko beeinflusst wird durch die Anzahl der bei einer Operation entnommenen Lymphknoten, durch Art und Umfang der Bestrahlung eines wichtigen Lymphabflussgebietes sowie durch die Art, die Schwere und das Stadium einer Krebserkrankung. Fachleute gehen außerdem aus, dass weitere Faktoren das Auftreten eines Lymphödems begünstigen oder ein bestehendes Lymphödem verschlimmern. Dazu gehören etwa Übergewicht, eine vermehrte Lymphproduktion bei Infektionen oder Verletzungen, oder ein Lymphstau zum Beispiel bei ungünstigen Körperhaltungen oder einseitiger Belastung. Experten empfehlen Risikopatienten deshalb, Übergewicht zu verringern und die durch ihre Erkrankung betroffene Körperregion vor Verletzungen, Entzündungen und Infektionen zu schützen und eine Überbelastung zu vermeiden. Bislang gibt es jedoch nur wenige Studien, in denen gezielt nach Auslösern und Verstärkern von Lymphödemen geforscht wurde. Ob einzelne Maßnahmen tatsächlich risikosenkend wirken, ist deshalb in vielen Fällen noch nicht wissenschaftlich belegt. Wer schon einmal Anzeichen eines Lymphödems hatte, sollte mit den behandelnden Ärzten daher über das vorbeugende Tragen von Kompressionskleidung oder Bandagen sprechen. Je nachdem, in welcher Körperregion das Lymphödem aufgetreten ist, kommen etwa Handschuhe, Armstrümpfe, Shirts mit und ohne Armansatz, Kniestrümpfe, Oberschenkelstrümpfen oder Strumpfhosen zum Einsatz. Die Versorgung mit komprimierenden Bandagen bei Lymphödemen im Gesicht ist möglich, wird in der Praxis aber seltener angewandt. Erste Anzeichen: Einseitige Schwellungen als Alarmsignal Schnell (be)handeln! Ein Lymphödem sollte so schnell wie möglich behandelt werden. Das Risiko für Entzündungen, verhärtetes Gewebe und Hautveränderungen ist dann geringer. Lymphödeme können sich an Armen, Brust, Gesicht und Hals, Beinen, Unterbauch, Leistengegend oder auch im Genitalbereich entwickeln. Wo sie auftreten, hängt davon ab, wo Lymphbahnen beeinträchtigt sind, und damit von der jeweiligen Tumorerkrankung und ihrer Behandlung. Dies unterscheidet sie unter anderem von Schwellungen etwa aufgrund einer Venenschwäche oder von Ödemen bei einer Herz- oder Nierenerkrankung: Bei einer Brustkrebspatientin wird nach einer Lymphknotenentfernung, wenn überhaupt, nur der Arm auf der betroffenen Seite anschwellen, nicht der andere. Oft dauert es einige Zeit, bis sich nach der Behandlung zeigt, dass ein Lymphödem droht. Betroffenen fällt meist zuerst eine leichte Schwellung auf, die nicht über Nacht wieder zurückgeht: Sind Lymphknoten in der Leistenregion, im Becken oder Unterbauch betroffen, werden vielleicht auf einmal Hosenbeine zu eng, oder Schuhe passen nicht mehr richtig. Wurden Lymphknoten unter der Achsel entfernt, schneiden Fingerringe plötzlich ein. Die betroffenen Gliedmaßen fühlen sich schwer wie Blei an und sind leicht ermüdbar. Stellen Krebspatienten solche Anzeichen an sich fest, sollten sie umgehend ihren Arzt aufsuchen. Je früher ein Lymphödem behandelt wird, umso größer ist die Chance, Spätschäden wie etwa verhärtetes Gewebe und Hautveränderungen zu vermeiden. Behandlung: Ausmassieren, komprimieren, Haut schützen Zur Behandlung eines Lymphödems muss man meist nicht ins Krankenhaus, es kann von zuhause aus ambulant behandelt werden. Zur Therapie haben Fachleute ein mehrstufiges Konzept entwickelt, das mit individuellen Abweichungen bei fast allen Patienten zum Rückgang der Ödeme und zur Linderung von Beschwerden führt. Die Therapie verlangt jedoch viel Geduld, Disziplin und Durchhaltevermögen von den Betroffenen: Sie zieht sich meist über einen längeren Zeitraum hin, und die Patienten arbeiten aktiv daran mit, beispielsweise durch regelmäßige Bewegungsübungen oder Massagen. Manuelle Lymphdrainage Durch eine manuelle Lymphdrainage nimmt die Schwellung ab. Durch sanfte und rhythmische Massage leiten geschulte Physiotherapeuten und Heilmasseure freie Flüssigkeit im Gewebe zu gesunden Lymphgefäßen. Der behandelnde Arzt verordnet eine Entstauungstherapie, Fachleute sprechen auch von der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. In der ersten Phase, der sogenannten Entstauungsphase, wenden speziell ausgebildete Therapeuten, in der Regel Heilmasseure, aber auch Physiotherapeuten, mehrmals wöchentlich eine manuelle Lymphdrainage an. Mit dieser sanften Therapie regen sie den Lymphabfluss an. Die Flüssigkeit im Gewebe fließt über noch vorhandene, gesunde Lymphbahnen ab, und die Schwellung geht zurück. Um den Behandlungserfolg zu erhalten, wird im Anschluss an die manuelle Lymphdrainage eine Kompressionsbandage angelegt. Meist werden diese beiden Behandlungsformen noch um Bewegungsübungen ergänzt, die Betroffene nach Anleitung durch ihre Therapeuten zuhause selbst ausführen können. Auch eine gute Hautpflege mit milden Salben und ein möglichst guter Schutz der Haut vor Verletzungen, Entzündungen und Infektionen zählen zur Behandlung. Diese erste Behandlungsphase dauert normalerweise drei bis sechs Wochen. Sie wird erst dann nicht mehr fortgeführt, wenn die Schwellung nicht mehr weiter zurückgeht. Daran schließt sich die Erhaltungsphase an. Sie dient dazu, das erzielte Ergebnis zu bewahren und Rückfälle zu verhindern: In Sanitätshäusern werden Patienten elastische Kompressionsmaterialien angepasst, ein Handschuh und eine Art Armstrumpf bei Patienten mit Armlymphödemen, oder eine Hose, die nach Lymphknotenentnahme etwa im Becken, Beine und Unterleib vor Schwellungen schützt. Für Patienten mit Lymphödemen im Brust- und Rumpfbereich fertigt man komprimierende Shirts und Bodys. Leidet ein Patient unter einem Gesichtslymphödem, wird man versuchen, auf komprimierende Bandagen zu verzichten; gegebenenfalls ist aber auch die Versorgung des Kopf-Hals-Bereichs mit entsprechenden Materialien möglich. Information, wie und wann diese Kompressionsmaterialien zu tragen sind und worauf man im Alltag achten sollte, erhalten Patienten von ihrem Arzt, von Pflegefachleuten oder vom Fachpersonal im Sanitätshaus. Um den Behandlungserfolg möglichst lange zu erhalten, werden Patienten in der Erhaltungsphase auch geschult: Sie erfahren, wie sie sich vor einem erneuten Lymphödem schützen können. Was tun, wenn die Entstauungs- und Kompressionstherapie nicht wirkt? Dies ist nur selten der Fall. Bei den meisten Betroffenen lässt sich zumindest eine Verbesserung erzielen. Die Möglichkeiten, zerstörte oder verlegte Lymphgefäße operativ wieder herzustellen, andere Abflusswege zu schaffen oder betroffenes Gewebe ganz zu entfernen, sind dagegen begrenzt. Erwogen wird ein solcher Eingriff zum Beispiel bei Patienten mit Genitallymphödem sowie bei anderen Lymphödemen, bei denen die Entstauungstherapie auch nach Monaten erfolglos bleibt. Die entsprechenden Operationen sind jedoch belastend. Sie kommen für viele betroffene Krebspatienten nicht infrage. Außerdem sind die Verfahren bisher zum großen Teil noch experimentell und deren Effekte und Wirksamkeit noch kaum durch wissenschaftliche Studien belegt. Für Patienten stellen solche chronischen Lymphödeme aufgrund der Veränderungen des Körperbildes und der Einschränkungen im Alltag oft eine große psychische Belastung dar. Betroffene finden Unterstützung bei Selbsthilfegruppen, Krebsberatungsstellen sowie Psychoonkologen. Eine sozialrechtliche Beratung kann dazu beitragen, möglichst viel über Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag und gegebenenfalls am Arbeitsplatz in Erfahrung zu bringen.


Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/leben/lymphoedem/lymphoedem-zusammenfassung.php
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10. Apr, 2019

Wichtigste therapeutische Maßnahme ist eine konsequente Kompressionstherapie, ergänzt durch manuelle Lymphdrainage. Der benötigte medizinische Kompressionsstrumpf richtet sich nach dem klinischen Bild und sollte der Wirkung einer kurzzugigen Kompressionsbandage nahekommen.

Wenn auf Kapillarebene die Filtration größer ist als der kolloidosmotische Druck und der Lymphabfluss zusammen, dann entwickelt sich ein Ödem. Ursache kann eine erhöhte Filtration sein (entzündliche Prozesse oder venöse Hypertonie), ein reduzierter kolloidosmotischer Druck (Hypalbuminämie) oder eine funktionelle oder anatomische Lymphabflussstörung. Bei Letzterer spricht man vom Lymphödem. Die Lymphe ist immer proteinreich. Somit ist ein Lymphödem charakterisiert durch ein proteinreiches interstitielles Ödem. Das Lymphödem ist eine chronische und im Normalfall progrediente Erkrankung.

Primäres Lymphödem

Das primäre Lymphödem tritt in der Regel sporadisch auf, selten hereditär oder syndromassoziiert. Ursache ist eine Hypo- oder Hyperplasie der Lymphgefäße oder eine Lymphknotenfibrose. Es ist meist an den unteren Extremitäten lokalisiert und in der Regel einseitig. Erste klinische Zeichen zeigen sich meist um die Pubertät, es kann sich aber auch bereits kurz nach der Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt erstmanifestieren. Die Prävalenz ist schlecht untersucht und wird in einer Studie mit 1,15 : 100 000 angegeben. Insgesamt ist dieses Krankheitsbild eher selten. Frauen sind ca. fünfmal häufiger betroffen.

Sekundäres Lymphödem

Ursache des sekundären Lymphödems ist eine Unterbrechung der Lymphbahnen. Man unterscheidet dabei benigne (Trauma, Infekte) oder maligne (krebsassoziierte) Ursachen. Die häufigste Ursache in der westlichen Welt ist sicher tumorassoziiert, als Folge eines operativen Lymphknotenstagings mit Radiotherapie, vereinzelt auch durch Zytostatika bedingt. Bei notwendiger axillärer Lymphknotendissektion liegt die Inzidenz eines Armlymphödems noch immer bei 16 bis 20 % und bei Lymphadenektomie paraaortal, iliakal oder inguinal bei etwa 15 %. Jedes chronische Ödem (sei es bei chronisch venöser Insuffizienz, Herzinsuffizienz, aber auch bei Adipositas) führt irgendwann zu einer meist volumenbedingten Überlastungsinsuffizienz der lymphatischen Transportkapazität mit konsekutivem sekundären Lymphödem.

Diagnostik und Klinik

Wichtigster Punkt bei der Diagnostik eines Lymphödems ist, bei den differenzialdiagnostischen Überlegungen überhaupt daran zu denken. Selbstverständlich gilt es bei einer einseitig geschwollenen Extremität alle anderen Ursachen auszuschließen, wie zum Beispiel eine Thrombose oder einen Primär-/Rezidivtumor. Neben der Anamnese einer persistierenden Schwellung findet sich als klinisches Zeichen häufig ein positives Stemmer-Zeichen. Dabei kann die Haut über der entspannten Zehe nicht mehr gefasst und angehoben werden. Die Zehen sind kantig, die Zehenfalten rarefiziert bei gleichzeitiger Ausbildung gröberer Zehengrundfalten.

Über die Jahre kann sich zunehmend eine ausgedehnte subkutane Fibrosierung und Sklerosierung ausbilden, wie auch eine Papillomatosis cutis lymphostatica der Haut). Während die klinischen Zeichen beim primären Lymphödem von distal nach proximal abnehmen, besteht beim sekundären Lymphödem ab Unterbruchstelle eine sich nach distal ausbreitende Schwellneigung. Die analogen klinischen Zeichen finden sich alle auch an der oberen Extremität.

Klinische Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung erfolgt nach der International Society of Lymphology (ISL) oder Földi. Dabei spricht man vom Stadium I, wenn sich das Lymphödem über Nacht noch spontan erholt, vom Stadium II, wenn keine spontane Erholung mehr beobachtet wird (weil bereits eine zunehmende Fibrosierung besteht), und vom Stadium III, der Elephantiasis. In diesem können neben einer gigantischen Extremität auch ausgedehnte lymphatisch bedingte sekundäre Veränderungen beobachtet werden, wie ausgedehnte Fibrose, Papillomatose, Lymphzysten oder Ulzerationen.

Therapieoptionen

Die therapeutischen Möglichkeiten sind limitiert. Für einzelne Patienten wird es in naher Zukunft voraussichtlich auch operative Optionen geben. Gute Ergebnisse scheint die autologe Lymphknotentransplantation bei sekundärem Lymphödem zu zeigen. Auch die mikrochirurgische Anlage von lymphvenösen Shunts, wie bereits an vereinzelten Zentren weltweit durchgeführt, zeigt in ersten Studien gute Ergebnisse. Am Einsatz von lymphatischen Wachstumsfaktoren (VEGF) wird intensiv geforscht.

Kompression und manuelle Lymphdrainage oder komplexe physikalische Entstauungstherapie

Etabliert und auch in nächster Zukunft für die meisten Patienten die Therapie der Wahl ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie.

Über die manuelle Lymphdrainage werden die Lymphgefäße zu maximaler Tätigkeit stimuliert, diese beginnt immer im Mündungsbereich clavikulär und arbeitet sich nach peripher vor. Die wichtigste Maßnahme aber ist die absolut konsequente Kompressionstherapie. Flüssigkeit lässt sich nicht komprimieren, aber sie lässt sich verschieben. Durch die Kompression wird der interstitielle Druck angehoben, womit die Filtrationsmenge abnimmt und damit auch das ödempflichtige interstitielle Flüssigkeitsvolumen. Die Kompression verschiebt die interstitielle Flüssigkeit aber auch in die terminalen, resorptionsfähigen Lymphkapillaren und unterstützt zusätzlich den Lymphabfluss. In einer ersten intensiven Phase, in der das Ziel einer Entödematisierung besteht, wird die manuelle Lymphdrainage täglich eingesetzt, verbunden mit einer fachgerecht angelegten Kurzzug-Kompressionsbandage. Zusätzlich setzen die Therapeuten fibroselockernde oder den Druck verstärkende Schaumstoffelemente ein. In der Erhaltungsphase wird die manuelle Lymphdrainage individuell angepasst wöchentlich oder intermittierend angewendet. Immer aber muss eine konsequente Kompressionstherapie durchgeführt werden. In dieser Phase wird der Kompressionsstrumpf eingesetzt.

Kompressionsstrumpf

Die Aufgabe des Kompressionsstrumpfes ist es, eine möglichst kontinuierliche und permanente Kompression auszuüben, um der im Tagesverlauf zunehmenden Einstauung entgegenwirken zu können. Ein idealer Kompressionsstrumpf wäre infolgedessen sehr einfach und sehr elastisch anzulegen, danach aber starr und unelastisch in der Tragephase. Aufgrund dieser diskrepanten Anforderungen kann ein Kompressionsstrumpf nie eine gute Kurzzugkompressionsbandage ersetzen, aber er kann sich dieser annähern. Gefordert ist ein Kompressionsstrumpf mit möglichst hohem Arbeitsdruck. Diese Voraussetzungen erfüllen am besten dicke und fest/dicht rundgestrickte Kompressionsstrümpfe sowie alle flachgestrickten Kompressionsstrümpfe. Rundgestrickte Kompressionsstrümpfe mit einem kurzzugigen Verhalten dürfen bei leichten Formen des Lymphödems durchaus eingesetzt werden. Bei fortgeschrittenen Formen des Lymphödems, insbesondere bei unförmigen Extremitäten, sollte jedoch zwingend ein sogenannter Flachstrickstrumpf zur Anwendung kommen. Diese werden zweidimensional gestrickt, was die Variation der Maschenzahl bei gleicher Maschenweite ermöglicht. Durch das Zusammennähen sind diese Kompressionsstrümpfe deutlich aufwendiger in Produktion und Preis. Sie sind jedoch die Therapie der Wahl bei allen Formen des fortgeschrittenen Lymphödems.

Welcher Kompressionsdruck?

Die wenigen, aktuell vorliegenden Studien zur Bestimmung des optimalen Kompressionsdruckes ergeben, dass ein moderater Druck (das heißt unter 30 mmHg am Arm) einem höheren Druck überlegen zu sein scheint. Auch am Bein scheinen Druckwerte um 40 mmHg ideal. Im Alltag gilt es jedoch, den für den individuellen Patienten optimalen Strumpf oder die optimale Strumpfkombination nach und nach herauszuarbeiten. Ein „erfahrener“ Lymphpatient kann sehr schnell sagen, wo Korrekturen, Ergänzungen oder eine Steigerung des Druckes notwendig sind.

 

Genehmigter und bearbeiteter Nachdruck aus Ars medici 14/2013

Autor:

Dr. med. Stephan Wagner

 

19. Jan, 2019

Warum können Massagen die Schmerzen lindern?

Massagen sorgen dafür, dass der Körper Endorphine abgibt, die natürlicherweise Schmerzen lindern und stimmungsaufhellend wirken. Endorphine sorgen dafür, dass wir uns gut fühlen, zum Beispiel nachdem wir uns beim Sport ausgetobt haben oder beim gemeinsamen Lachen und Späße machen mit Freunden.

Während der Geburt hilft eine Massage dabei, dass Sie sich mit der Person, die für Sie sorgt, verbunden fühlen - sei es Ihre Hebamme oder Ihr/e Geburtspartner/in. Die Berührung von jemandem, der Sie liebt und Ihnen helfen möchte, gibt Ihnen Kraft für die Wehen und hilft, wenn Sie müde oder besorgt sind.

Eine Studie hat gezeigt, dass Frauen, die während der Geburt massiert wurden, weniger Angst und Schmerzen hatten. Die Geburt verlief schneller und die Frauen litten seltener unter postnataler Depression als die Kontrollgruppe von Frauen, die nicht massiert wurden. Allerdings werden sanfte Massagen während der Wehen nur ganz selten als angenehm empfunden. Dagegen kann in den Wehenpausen ein kurzes Ausstreichen eine angenehme, entspannende Wirkung haben. Daher gilt als Faustregel: eher kräftigere, flächige Berührungen während der Wehen und lockeres Ausstreichen in der Wehenpause.

Wie gesund sind Massageöle?

Massageöle machen das Massieren einfacher und die Massage angenehmer. Dennoch sollten Sie bei der Auswahl der Öle für die Geburt vorsichtig sein. Kaufen Sie keine ätherischen Öle. Ätherische Öle enthalten sehr wirkungsvolle Substanzen. Manche von ihnen können die Wehen negativ beeinflussen, wenn sie falsch angewandt werden. Einige Aromatherapeuten empfehlen deshalb ein einfaches Basisöl für die Geburt. Basisöle werden zum Beispiel aus süßen Mandeln oder Traubenkernen hergestellt. Mandelöl ist nicht empfehlenswert bei (Verdacht auf) einer Nussallergie. Traubenkernöl ist genauso gut und selbst Olivenöl, das schnell von der Haut aufgenommen wird, kann benutzt werden. Am besten ist es, ein neutrales Babyöl zu verwenden!

Die Schultermassage

Für gebärende Frauen ist es wichtig, dass ihre Schultern entspannt bleiben. Entspannte Schultern helfen beim rhythmischen Atmen. Mit verkrampften Schultern wird der Atem schnell flach. Und wer richtig atmet, sorgt für eine maximale Sauerstoffversorgung für sich selbst und das Baby. Die Massage kann dabei helfen, dass die Schultern entspannt bleiben und die Atmung tief und regelmäßig geschieht.

Ihr Partner - oder ein vertrauter Mensch, der Sie durch der Geburt begleitet - sollte seine Hände auf Ihre Schultern legen und leichten (!) Druck ausüben. Das hilft Ihnen, die Schultern zu lockern, falls sie vor lauter Geburtsstress schon verkrampft sind. Als nächstes streicht Ihr Partner von den Schultern zu den Ellbogen. Dabei achtet er darauf, gleichmäßig Druck auszuüben und einen Rhythmus beizubehalten. Sagen Sie ihm, ob die Massage hilft und was er noch besser machen kann.

Versuchen Sie auch Folgendes: Ihr Partner legt seine Hände auf Ihre Schultern und massiert mit seinem Daumen in kleinen Kreisen die Stelle zwischen den Schulterblättern. Sagen Sie ihm, falls er zu fest oder nicht fest genug massiert oder falls er zu schnelle Bewegungen mit dem Daumen macht. Ihr Partner sollte Sie nicht zu heftig massieren, denn dadurch geht Ihr Atem schneller, obwohl er ja eigentlich tiefer und ruhiger werden soll!

Die Rückenmassage

Viele Frauen empfinden die Wehen sehr stark in ihrem unteren Rücken, so dass eine Rückenmassage durchaus sinnvoll sein kann. Während der frühen Phase der Geburt kann Ihr Partner mit der flachen Hand seitlich an Ihrer Wirbelsäule entlang nach unten streichen (von der Schulter zum Po). Danach streicht die andere Hand auf der gegenüberliegenden Seite nach unten. Dabei sollte der Massierende sowohl eine gleichmäßige Bewegung einhalten als auch immer eine Hand an Ihrem Rücken haben, denn so bleiben Sie in ständigem Körperkontakt.

Diese gleichmäßigen, langsamen Bewegungen wirken sehr beruhigend. Achten Sie darauf, dass Ihr Partner Sie mit der ganzen Handfläche massiert und nicht nur mit der Handwurzel. Seine Finger müssen mit Ihrem Rücken in Verbindung stehen, damit er fühlen kann, wo die Verspannungen sind und Sie dort massiert. Viele Frauen brauchen eher diesen flächigen Druck, gerade im Lendenwirbelbereich oder auf dem Kreuzbein.

Ist die Geburt vorangeschritten, kann Ihr Partner mit der Handwurzel den unteren Teil der Wirbelsäule, die Lendengegend, massieren. Um den Wehen etwas entgegen setzen zu können, wird er jetzt mehr Kraft brauchen und stärker drücken müssen. Alternativ kann er auch mit dem Daumen die Grübchen Ihres unteren Rückens massieren. Sagen Sie einfach, was Ihnen wann am meisten hilft.

Die Fußmassage

Erstaunlicherweise können viele Menschen es nicht ertragen, wenn man Ihre Füße berührt und finden es dennoch ganz wunderbar, eine feste rhythmische Fußmassage zu genießen! Die Massage muss sogar fest sein, denn sonst fühlt sie sich so kitzlig an, dass es kaum auszuhalten ist. Falls Sie während der Geburt lange Zeit sitzen müssen oder gar im Bett liegen, ist eine Fußmassage ideal. Ihr Partner streicht dafür einfach fest vom Fußknöchel zur Ferse oder er beschreibt mit seinem Daumen Kreise auf der gesamten Fläche der Fußsohle. Möglicherweise bekommen Sie während der Geburt kalte Füße und eine Massage kann sie dann wieder aufwärmen.

Sie können sich auch in der Schwangerschaft schon etwas Gutes gönnen, indem Sie sich selbst die Füße massieren und es gleichzeitig Ihrem Partner beibringen. Unsere Bildergalerie zeigt Ihnen anschaulich, wie eine Fußmassage geht.

Die Handmassage

Manchmal ist das Empfinden an den Füßen nach einer Epiduralanästhesie sehr verändert, dann erscheint auch das Angebot einer Fußmassage wenig reizvoll. In diesem Fall kann eine Handmassage sehr beruhigend und tröstend wirken. Ihr Partner streicht dafür einfach druckvoll vom Handgelenk bis zu den Fingerspitzen erst über die Handoberfläche und dann über die Unterfläche. (Natürlich sowohl bei der rechten als auch der linken Hand.) Er kann auch mit den Fingern kleine Kreise auf Ihrer Handfläche beschreiben und sanft an jedem Finger einzeln ziehen, um die Spannung abzubauen. Eine Massage ist eine hervorragende Art und Weise, die Geburt gemeinsam zu erleben und sich einander nah zu fühlen.

Nicht alle Frauen mögen es, massiert zu werden!

Auch auf die Gefahr hin, dass Ihr Partner enttäuscht ist, weil er Sie gerne massieren würde: Nicht alle Frauen können eine Massage während der Geburt genießen. Einigen ist es sehr unangenehm, während der Wehen angefasst zu werden, denn die Wehen sind so stark, dass jede weitere körperliche Empfindung mehr ist, als sie ertragen könnten. Manchmal ist auch schon das Auflegen der warmen Hand ohne große Bewegungen zuviel – und manche Frauen mögen es.

Andere Frauen lieben es, massiert zu werden und ihre Partner können sich auf stundenlange Massagedienste einstellen. Ihr Partner - oder ein Ihnen naher Mensch, der bei der Geburt dabei ist - sollte auf diese unterschiedlichen Reaktionen vorbereitet sein und entsprechend reagieren können.

29. Dez, 2018

Allen Besuchern meiner Homepage wünsche ich für das kommende Jahr, dass alle Wünsche, Pläne und Ideen verwirklicht werden können. Glück und Zufriedenheit sowie Gesundheit Ihnen und Ihrer Familie! 

22. Dez, 2018

Wieder steht ein Jahreswechsel vor der Türe, die Gedanken gehen kurz in den Retourgang, was war, was hätte sein können, was wäre besser gewesen? Was war gut?

Das Jahr 2018 begann ruhig und eigentlich ohne dem Anschein, dass es turbulent werden könnte. Gut, Krebs-Untersuchungen waren notwendig und schon ein wenig zur unliebsamen Routine geworden, aber sonst alles im ruhigen Fahrtwasser.

Im Jänner besuchte ich noch die erste Vorstandssitzung des Jahres der österr. Lymphliga in Linz, davor stand noch die Gründung meines Vereines "internationale Schule für Massage" auf der Agenda. Danach aber überstürzten sich ein wenig die Ereignisse und ich sah mich gezwungen, aus persönlichen Gründen meinen Sitz im Vorstand der ÖLL als Landesleiter der Niederösterreichischen Lymph- Liga schweren Herzens zurücklegen zu müssen. Konsequenterweise trat ich gleich aus der ÖLL aus, da ich meine, wenn ich schon in einem Verein Mitglied bin, möchte ich auch was arbeiten und mich einbringen. Wenn dies nicht (mehr) möglich ist, dann habe ich nichts mehr zu suchen. Die Reaktion meiner (ehemaligen) Vorstandskollegen und -kolleginnen machte mir diesen Schritt dann doch leichter als ich dachte.

Aber schon im März hatte ich die erste Vorstandssitzung der "ISM" in Sliema (Malta) sowie Fortbildungen, Kurstrainer und  Beisitzender bei einer Heilmasseurprüfung, ich kam also gar nicht mehr zum weitertrauern.

Danach wurde es die übliche Jahresroutine, Krankenhaus mit diversen Untersuchungen, Kongresse, Vorträge. Und Arbeitstermine. Dazu kam mein Eintritt in die Österreichische Palliativ-Gesellschaft. Meine nächste interessante Aufgabe. Aber auch einige Termine als Sportmasseur bei Laufevents nahm ich wahr und Anfang Herbst bekam ich eine Anfrage, einen unserer Spitzensportler und Kanditaten für die Olympischen Spiele 2020 zu betreuen, welcher ich gerne nachkam. Anfang Juli veranstaltete ich noch meine mitlerweile dritte Sommerakademie, dieses mal in Stockerau und durfte mich über eine sehr interessierte Zuhörerinnenschaft freuen. Im Sommer war ich als Vertreter unserer Landesinnungsmeisterin im WIFI um bei sommerlichen Kinderkursen Teilnahmeurkunden zu verteilen. Danach ab in den viel zu kurzen Urlaub. Während meines Urlaubes starb eine meiner Palliativ-Patientinnen ziemlich plötzlich und stürzte mich ins Tief, da sie ganz genau die gleiche Diagnose (Melanom) wie ich hatte, nur ein Jahr später diagnostiziert und operiert. Da wird man wieder ziemlich demütig, was sein eigenes Befinden anblelangt.

Der September begann, wie der Mai endete: Kurse, Fortbildung, Sitzungen, Vorbereitungen und jede Menge Massage- und Therapietermine, welche sich bis zum Dezember ziemlich steigerte. Dazwischen, Ende Oktober/Anfang November waren noch drei Wochen (onkologischer) Rehabiliationsaufenthalt eingeschoben um danach Vollgas zum Jahresende hin geben zu können.

Nun sind es noch knapp 2 Wochen bis Silvester, mein Terminkalender 2019 füllt sich langsam aber sicher wieder, viele Neuigkeiten kommen auf mich zu, viele Herausforderungen stehen an, ich freue mich schon sehr darauf und hoffe, sie gut und erfolgreich meistern zu können. In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern meiner Homepage ein glückliches, gesundes, erfülltes und wunderbares Jahr 2019