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6. Nov, 2019

Fettleibigkeit könnte bald dem Rauchen den ersten Rang als Hauptursache für Krebs ablaufen. Denn während die Anzahl der Krebserkrankungen aufgrund von Tabakkonsum in Deutschland stetig sinkt, nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen mit Krebs statistisch gesehen zu. Auf die Entstehung aller Krebskrankheiten gerechnet hat die Fettleibigkeit einen Anteil von schätzungsweise 16%. Würden alle Menschen das Normalgewicht einhalten, könnten allein in Deutschland pro Jahr circa 25.000 Krebserkrankungen vermieden werden.

Im Körper angesammeltes Fettgewebe ruht nicht einfach nur – es ist im Gegenteil hormonell aktiv und mischt den Hormonhaushalt ordentlich auf. Das führt dazu, dass sich der Stoffwechsel verändert und Botenstoffe gebildet werden, die zur vermehrten Ausschüttung von Insulin und Insulin-ähnlichem Wachstumsfaktor-I (IGF-I) und somit zu einer Art chronischen Entzündung führen. Dadurch kann Krebs begünstigt werden.

Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs wurde inzwischen mit Sicherheit für verschiedene Krebsarten bestätigt, darunter Speiseröhrenkrebs,  Dick- und Enddarmkrebs und Nierenkrebs bei beiden Geschlechtern sowie Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gallenblasenkrebs bei Frauen. Die Fettleibigkeit spielt jedoch nicht nur in Bezug auf die Krebsentstehung eine wichtige Rolle. Wissenschaftler stellten fest, dass Adipositas im Falle einer Brustkrebserkrankung auch mit einem um 35 bis 40% höheren Metastasierungs- und Rückfallrisiko verbunden ist.

Über die Parameter, die es ermöglichen ein erhöhtes Krebsrisiko festzustellen, informiert das ONKO-Internetportal in seinem aktuellen Monatsthema. Unter www.krebsgesellschaft.de/thema_maerz2019 finden Betroffene und Interessierte zudem hilfreiche Tipps zu Ernährung und Krebs und zur Gewichtsreduktion durch gesunder Ernährung.

rs media GmbH. - aus "journalonko.de"
2. Nov, 2019

Ödeme sind, meistens bedingt durch Verletzungen, Operationen oder Krankheiten teilweise schmerzhafte Wassereinlagerungen in unserem Körper.

Wer unter diesen Gewebswassereinlagerungen leidet, der weist ein Ungleichgewicht in seinem Körper auf – der Wasserhaushalt, die Entstehung sowie der Abfluss des Gewebswassers muss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Was sind Ödeme/Wassereinlagerungen?

Wassereinlagerungen entstehen, einfach gesagt, wenn das Gleichgewicht zwischen Austritt dieses Gewebswassers und dem Abtransport über das Lymphsystem gestört ist. Meistens sind davon Gesicht, Hände und Beine betroffen.

Unser Körper reagiert aus folgenden Gründen:

Es besteht ein Eiweißmangel

Es besteht ein erhöhter Druck in den Blutgefäßen

Die Durchlässigkeit der Zellwände ist erhöht

Störung des Lymphabflusses

Ständiges Stehen oder andauerndes Sitzen, Hitze oder ein erhöhter Verzehr von Kohlenhydraten sind weitere Gründe für Einlagerungen. Die Einnahme von Medikamenten kann Ödeme ebenfalls begünstigen – vor allem Cortison, Calciumantagonisten oder Antidepressiva sind hierfür verantwortlich.

Wer über einen längeren Zeitraum unter Wassereinlagerungen leidet, der sollte umgehend einen Arzt aufsuchen, da vermehrte Ansammlungen von Wasser auch auf unterschiedliche Krankheiten hinweisen können:

Störung des Venenabflusses

Herz- und Niereninsuffizienz

Leberzirrhose

Bluteiweiß ist (warum auch immer) niedrig

u.v.a.

Ödeme natürlich behandeln - 8 Tipps

1. Kohlenhydrate reduzieren

Oft sind große Mengen an Kohlenhydraten aus Getreideerzeugnissen, Zucker und Limonade für mehr Wasser im Körper verantwortlich. Nach einem hartem Arbeitstag essen viele Personen üppige Portionen an Kohlenhydrate – in Form von Nudeln, Reis, Kartoffeln oder Haferflocken. Da Kohlenhydrate unsere geleerten Glykogenspeicher auffüllen und Glykogen an Wasser gebunden ist, wird dadurch auch viel Wasser in unserem Körper eingelagert.

Wer Wassereinlagerungen reduzieren möchte, der sollte weniger Kohlenhydrate in Form von Brot, Pasta, Reis, Kartoffeln, Zucker und Süßwaren zuführen. Obst und Gemüse enthalten ebenso Kohlenhydrate, aber wirken sich nicht so drastisch auf unseren Körper aus.

2. Salz

Mit Salz sparsam umgehen – das bedeutet eine Menge von maximal 6-10g pro Tag sollen nicht überschritten werden. Dabei sollte man nicht nur die Portion an Salz berechnen, die man beim Kochen verwendet, sondern ebenfalls das Salz  in fertigen Produkten berücksichtigen.

Faustregel: 1g Salz bindet 100 g Wasser

Für Sportler (+10 Stunden pro Woche) gilt eine Mengen von 15-20g, da über den Schweiß vermehrt Mineralstoffe (z.b. Natrium) ausgeschieden werden.

3. Wasser trinken

Wer hätte das gedacht – Wer Wasser aus seinem Körper spülen möchte, der muss mehr Wasser aufnehmen! Damit überschüssiges Wasser aus dem Körper befördert wird, muss mehr getrunken werden. Nicht nur für Wassereinlagerungen äußerst vorteilhaft, sondern auch für wichtige Funktionen im Körper, für die Haut und für unsere Haare.

4. Vitamine & Mineralstoffe

Vitamine und Mineralstoffe sind nicht nur wichtig für unsere Gesundheit und Gesamtwohlbefinden, sondern können auch Wasseransammlungen reduzieren. Vor allem Kalium, Magnesium und auch Vitamin B6 sind Wunderwaffen im Kampf gegen Ödeme.

Große Mengen an Kalium befinden sich in Karotten, Beeren, Spinat, Rindfleisch, Nüssen, Bananen, Kohlrabi, Marillen, Avocado, Melanzani, Apfelessig, Löwenzahn, Pilzen und Kürbis.

Magnesiumquellen sind Brennnessel, Sesam, Mohn, Kakao (ohne Zucker), Banane, Quinoa und Kürbiskerne.

Huhn, Schweinefleisch, Banane, Nüsse und Kohlgemüse sind gute Quellen für Vitamin B6.

5. Milch und Milchprodukte

Milch und Milchprodukte können auch für Wassereinlagerungen und Cellulite verantwortlich gemacht werden. Das Milcheiweiß, welches wir mittels Nahrung zuführen kann nicht optimal von unseren Zellen aufgenommen werden – daher sollten Milch und Milchprodukte bei Ansammlungen von Wasser stark reduziert werden.

6. Sport

Das Sportprogramm sollte bei Ödemen nicht vernachlässigt werden! Eine Kombination aus Ausdauer- und Kraftsport ist hier ratsam. Warum? Bei sportlicher Betätigung werden die Lymphe und Venen aktiviert und der Rückfluss des angestauten Wassers wird wieder angeregt. Ebenso können wir empfehlen:

Treppe anstatt Lift

Öfters auch auf das Auto verzichten

Mehrmals pro Tag aufstehe und sich bewegen (vor allem bei sitzenden Tätigkeiten) Morgengymnastik

sowie Aqua-Gymnastik und Schwimmen in nicht zu warmen Wasser (vorsicht bei einem Besuch einer Therme!)

7. Wechselduschen und manuelle Lymphdrainagen

Wechselduschen können Wunder vollbringen – z.B. 10 Sekunden warm bis heiß  und anschließend für 10 Sekunden kalt duschen. Diesen Vorgang 3x wiederholen und das mehrmals pro Woche.

8. Besuch beim Arzt und beim Heilmasseur/Physiotherapeuten

Natürlich, und das zuletzt, ist ein Besuch beim lymphtherapiekundigen Heilmasseur oder Physiotherapeuten ihres Vertrauens wichtig.Davor aber unbedingt und natürlich einen Arzt aufsuchen. So ein Besuch hilft dabei sehr, die Probleme zumindest zu lindern, wenn nicht sogar in den Griff zu bekommen und diese zu beseitigen!

20. Okt, 2019

Primäre (angeborene) Lymphödeme

Hierbei handelt es sich um Lymphödeme, die einen angeborenen Ursprung haben. So können z.B. zu wenige Lymphbahnen oder Lymphknoten angelegt sein. Zu Problemen führt das dann, wenn die sogenannte lymphpflichtige Last nicht mehr abtransportiert werden kann. Das kann bereits bei einem Baby passieren, mit zunehmenden Alter und dadurch Reduzierung der Transportkapazität oder durch eine Verletzung, bzw. Trauma in dem betroffenen Bereich. Patienten mit primären Lymphödemen sind dann immer das Leben lang auf eine Kompressionsversorgung angewiesen.

Sekundäre (erworbene) Lymphödeme

Bei den Sekundären Lymphödemen kommt es erst dann zu Problemen, wenn z.B. eine Operation die Entfernung von Lymphknoten oder die Durchtrennung von Lymphbahnen erfolgen musste. Oder eine Bestrahlung des Gewebes erfolgen musste. Viele Krebspatienten kennen das. Gerade, wenn viele Lymphknoten in der Achsel entfernt wurden und der Arm schwillt an. Oder wenn die Leistenlymphknoten entfernt werden und das Bein und vielleicht sogar der Genitalbereich ödematisiert. Aber auch Unfälle, die ein Zerreißen der Lymphbahnen als Folge haben, sind hier einzuordnen.

andere Lymphödeme

Ein Lymphödem kann auch dann entstehen, wenn das Herz an Pumpleistung verloren hat und nicht mehr ausreichend Kraft besitzt, den Blutkreislauf in Schwung zu halten. Dann kann es sein, dass die Beine, Rumpf und Arme anschwillen. Ein geübter Arzt oder Lymphtherapeut erkennt die Ödeme bereits beim Abtasten. Das Gewebe gibt sehr leicht nach und eingedrückte Dellen füllen sich sofort wieder nach Druckreduzierung.
Die Behandlung über Lymphdrainage und Kompression ist hierbei kontraindiziert und sogar gefährlich. Die Haupttherapie ist in diesem Fall das Herz zu stärken und über ärztlich begleitete Entwässerungstabletten die Ödeme zu reduzieren.
( (c) "Lymphprofis Berlin")
7. Jul, 2019

Das Wichtigste in Kürze: Längst nicht jeder Krebspatient entwickelt ein Lymphödem.

Bei den meisten Operationen oder Bestrahlungen gelingt es heute, wichtige Lymphabflussgebiete zu schonen. Kommt es nicht zu einer Schädigung oder fällt diese nur gering aus, funktioniert der Flüssigkeitstransport aus dem umliegenden Gewebe trotz der Erkrankung normal. Daher sind heute weniger Krebspatienten von einem Lymphödem betroffen als noch vor einigen Jahren. Hinzu kommt: Je wirksamer eine Krebserkrankung behandelt werden kann, desto mehr sinkt auch das Risiko, dass streuende Tumorzellen die Lymphbahnen verlegen.

Der folgende Text bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten zum Thema "Lymphödeme bei Krebspatienten". Erkrankte Patienten sollten jedoch beachten:

Informationen aus dem Internet können die persönliche Beratung durch Ärzte, Physiotherapeuten, Heilmasseuren oder Pflegefachleute nicht ersetzen!

Erste Anzeichen: Einseitige Schwellungen als Alarmsignal Behandlung: Ausmassieren, komprimieren, Haut schützen Risikofaktoren: Was das Entstehen von Lymphödemen bei Krebspatienten begünstigt Studien zeigen, dass das Lymphödemrisiko beeinflusst wird durch die Anzahl der bei einer Operation entnommenen Lymphknoten, durch Art und Umfang der Bestrahlung eines wichtigen Lymphabflussgebietes sowie durch die Art, die Schwere und das Stadium einer Krebserkrankung. Fachleute gehen außerdem aus, dass weitere Faktoren das Auftreten eines Lymphödems begünstigen oder ein bestehendes Lymphödem verschlimmern. Dazu gehören etwa Übergewicht, eine vermehrte Lymphproduktion bei Infektionen oder Verletzungen, oder ein Lymphstau zum Beispiel bei ungünstigen Körperhaltungen oder einseitiger Belastung. Experten empfehlen Risikopatienten deshalb, Übergewicht zu verringern und die durch ihre Erkrankung betroffene Körperregion vor Verletzungen, Entzündungen und Infektionen zu schützen und eine Überbelastung zu vermeiden. Bislang gibt es jedoch nur wenige Studien, in denen gezielt nach Auslösern und Verstärkern von Lymphödemen geforscht wurde. Ob einzelne Maßnahmen tatsächlich risikosenkend wirken, ist deshalb in vielen Fällen noch nicht wissenschaftlich belegt. Wer schon einmal Anzeichen eines Lymphödems hatte, sollte mit den behandelnden Ärzten daher über das vorbeugende Tragen von Kompressionskleidung oder Bandagen sprechen. Je nachdem, in welcher Körperregion das Lymphödem aufgetreten ist, kommen etwa Handschuhe, Armstrümpfe, Shirts mit und ohne Armansatz, Kniestrümpfe, Oberschenkelstrümpfen oder Strumpfhosen zum Einsatz. Die Versorgung mit komprimierenden Bandagen bei Lymphödemen im Gesicht ist möglich, wird in der Praxis aber seltener angewandt. Erste Anzeichen: Einseitige Schwellungen als Alarmsignal Schnell (be)handeln! Ein Lymphödem sollte so schnell wie möglich behandelt werden. Das Risiko für Entzündungen, verhärtetes Gewebe und Hautveränderungen ist dann geringer. Lymphödeme können sich an Armen, Brust, Gesicht und Hals, Beinen, Unterbauch, Leistengegend oder auch im Genitalbereich entwickeln. Wo sie auftreten, hängt davon ab, wo Lymphbahnen beeinträchtigt sind, und damit von der jeweiligen Tumorerkrankung und ihrer Behandlung. Dies unterscheidet sie unter anderem von Schwellungen etwa aufgrund einer Venenschwäche oder von Ödemen bei einer Herz- oder Nierenerkrankung: Bei einer Brustkrebspatientin wird nach einer Lymphknotenentfernung, wenn überhaupt, nur der Arm auf der betroffenen Seite anschwellen, nicht der andere. Oft dauert es einige Zeit, bis sich nach der Behandlung zeigt, dass ein Lymphödem droht. Betroffenen fällt meist zuerst eine leichte Schwellung auf, die nicht über Nacht wieder zurückgeht: Sind Lymphknoten in der Leistenregion, im Becken oder Unterbauch betroffen, werden vielleicht auf einmal Hosenbeine zu eng, oder Schuhe passen nicht mehr richtig. Wurden Lymphknoten unter der Achsel entfernt, schneiden Fingerringe plötzlich ein. Die betroffenen Gliedmaßen fühlen sich schwer wie Blei an und sind leicht ermüdbar. Stellen Krebspatienten solche Anzeichen an sich fest, sollten sie umgehend ihren Arzt aufsuchen. Je früher ein Lymphödem behandelt wird, umso größer ist die Chance, Spätschäden wie etwa verhärtetes Gewebe und Hautveränderungen zu vermeiden. Behandlung: Ausmassieren, komprimieren, Haut schützen Zur Behandlung eines Lymphödems muss man meist nicht ins Krankenhaus, es kann von zuhause aus ambulant behandelt werden. Zur Therapie haben Fachleute ein mehrstufiges Konzept entwickelt, das mit individuellen Abweichungen bei fast allen Patienten zum Rückgang der Ödeme und zur Linderung von Beschwerden führt. Die Therapie verlangt jedoch viel Geduld, Disziplin und Durchhaltevermögen von den Betroffenen: Sie zieht sich meist über einen längeren Zeitraum hin, und die Patienten arbeiten aktiv daran mit, beispielsweise durch regelmäßige Bewegungsübungen oder Massagen. Manuelle Lymphdrainage Durch eine manuelle Lymphdrainage nimmt die Schwellung ab. Durch sanfte und rhythmische Massage leiten geschulte Physiotherapeuten und Heilmasseure freie Flüssigkeit im Gewebe zu gesunden Lymphgefäßen. Der behandelnde Arzt verordnet eine Entstauungstherapie, Fachleute sprechen auch von der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. In der ersten Phase, der sogenannten Entstauungsphase, wenden speziell ausgebildete Therapeuten, in der Regel Heilmasseure, aber auch Physiotherapeuten, mehrmals wöchentlich eine manuelle Lymphdrainage an. Mit dieser sanften Therapie regen sie den Lymphabfluss an. Die Flüssigkeit im Gewebe fließt über noch vorhandene, gesunde Lymphbahnen ab, und die Schwellung geht zurück. Um den Behandlungserfolg zu erhalten, wird im Anschluss an die manuelle Lymphdrainage eine Kompressionsbandage angelegt. Meist werden diese beiden Behandlungsformen noch um Bewegungsübungen ergänzt, die Betroffene nach Anleitung durch ihre Therapeuten zuhause selbst ausführen können. Auch eine gute Hautpflege mit milden Salben und ein möglichst guter Schutz der Haut vor Verletzungen, Entzündungen und Infektionen zählen zur Behandlung. Diese erste Behandlungsphase dauert normalerweise drei bis sechs Wochen. Sie wird erst dann nicht mehr fortgeführt, wenn die Schwellung nicht mehr weiter zurückgeht. Daran schließt sich die Erhaltungsphase an. Sie dient dazu, das erzielte Ergebnis zu bewahren und Rückfälle zu verhindern: In Sanitätshäusern werden Patienten elastische Kompressionsmaterialien angepasst, ein Handschuh und eine Art Armstrumpf bei Patienten mit Armlymphödemen, oder eine Hose, die nach Lymphknotenentnahme etwa im Becken, Beine und Unterleib vor Schwellungen schützt. Für Patienten mit Lymphödemen im Brust- und Rumpfbereich fertigt man komprimierende Shirts und Bodys. Leidet ein Patient unter einem Gesichtslymphödem, wird man versuchen, auf komprimierende Bandagen zu verzichten; gegebenenfalls ist aber auch die Versorgung des Kopf-Hals-Bereichs mit entsprechenden Materialien möglich. Information, wie und wann diese Kompressionsmaterialien zu tragen sind und worauf man im Alltag achten sollte, erhalten Patienten von ihrem Arzt, von Pflegefachleuten oder vom Fachpersonal im Sanitätshaus. Um den Behandlungserfolg möglichst lange zu erhalten, werden Patienten in der Erhaltungsphase auch geschult: Sie erfahren, wie sie sich vor einem erneuten Lymphödem schützen können. Was tun, wenn die Entstauungs- und Kompressionstherapie nicht wirkt? Dies ist nur selten der Fall. Bei den meisten Betroffenen lässt sich zumindest eine Verbesserung erzielen. Die Möglichkeiten, zerstörte oder verlegte Lymphgefäße operativ wieder herzustellen, andere Abflusswege zu schaffen oder betroffenes Gewebe ganz zu entfernen, sind dagegen begrenzt. Erwogen wird ein solcher Eingriff zum Beispiel bei Patienten mit Genitallymphödem sowie bei anderen Lymphödemen, bei denen die Entstauungstherapie auch nach Monaten erfolglos bleibt. Die entsprechenden Operationen sind jedoch belastend. Sie kommen für viele betroffene Krebspatienten nicht infrage. Außerdem sind die Verfahren bisher zum großen Teil noch experimentell und deren Effekte und Wirksamkeit noch kaum durch wissenschaftliche Studien belegt. Für Patienten stellen solche chronischen Lymphödeme aufgrund der Veränderungen des Körperbildes und der Einschränkungen im Alltag oft eine große psychische Belastung dar. Betroffene finden Unterstützung bei Selbsthilfegruppen, Krebsberatungsstellen sowie Psychoonkologen. Eine sozialrechtliche Beratung kann dazu beitragen, möglichst viel über Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag und gegebenenfalls am Arbeitsplatz in Erfahrung zu bringen.


Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/leben/lymphoedem/lymphoedem-zusammenfassung.php
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10. Apr, 2019

Wichtigste therapeutische Maßnahme ist eine konsequente Kompressionstherapie, ergänzt durch manuelle Lymphdrainage. Der benötigte medizinische Kompressionsstrumpf richtet sich nach dem klinischen Bild und sollte der Wirkung einer kurzzugigen Kompressionsbandage nahekommen.

Wenn auf Kapillarebene die Filtration größer ist als der kolloidosmotische Druck und der Lymphabfluss zusammen, dann entwickelt sich ein Ödem. Ursache kann eine erhöhte Filtration sein (entzündliche Prozesse oder venöse Hypertonie), ein reduzierter kolloidosmotischer Druck (Hypalbuminämie) oder eine funktionelle oder anatomische Lymphabflussstörung. Bei Letzterer spricht man vom Lymphödem. Die Lymphe ist immer proteinreich. Somit ist ein Lymphödem charakterisiert durch ein proteinreiches interstitielles Ödem. Das Lymphödem ist eine chronische und im Normalfall progrediente Erkrankung.

Primäres Lymphödem

Das primäre Lymphödem tritt in der Regel sporadisch auf, selten hereditär oder syndromassoziiert. Ursache ist eine Hypo- oder Hyperplasie der Lymphgefäße oder eine Lymphknotenfibrose. Es ist meist an den unteren Extremitäten lokalisiert und in der Regel einseitig. Erste klinische Zeichen zeigen sich meist um die Pubertät, es kann sich aber auch bereits kurz nach der Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt erstmanifestieren. Die Prävalenz ist schlecht untersucht und wird in einer Studie mit 1,15 : 100 000 angegeben. Insgesamt ist dieses Krankheitsbild eher selten. Frauen sind ca. fünfmal häufiger betroffen.

Sekundäres Lymphödem

Ursache des sekundären Lymphödems ist eine Unterbrechung der Lymphbahnen. Man unterscheidet dabei benigne (Trauma, Infekte) oder maligne (krebsassoziierte) Ursachen. Die häufigste Ursache in der westlichen Welt ist sicher tumorassoziiert, als Folge eines operativen Lymphknotenstagings mit Radiotherapie, vereinzelt auch durch Zytostatika bedingt. Bei notwendiger axillärer Lymphknotendissektion liegt die Inzidenz eines Armlymphödems noch immer bei 16 bis 20 % und bei Lymphadenektomie paraaortal, iliakal oder inguinal bei etwa 15 %. Jedes chronische Ödem (sei es bei chronisch venöser Insuffizienz, Herzinsuffizienz, aber auch bei Adipositas) führt irgendwann zu einer meist volumenbedingten Überlastungsinsuffizienz der lymphatischen Transportkapazität mit konsekutivem sekundären Lymphödem.

Diagnostik und Klinik

Wichtigster Punkt bei der Diagnostik eines Lymphödems ist, bei den differenzialdiagnostischen Überlegungen überhaupt daran zu denken. Selbstverständlich gilt es bei einer einseitig geschwollenen Extremität alle anderen Ursachen auszuschließen, wie zum Beispiel eine Thrombose oder einen Primär-/Rezidivtumor. Neben der Anamnese einer persistierenden Schwellung findet sich als klinisches Zeichen häufig ein positives Stemmer-Zeichen. Dabei kann die Haut über der entspannten Zehe nicht mehr gefasst und angehoben werden. Die Zehen sind kantig, die Zehenfalten rarefiziert bei gleichzeitiger Ausbildung gröberer Zehengrundfalten.

Über die Jahre kann sich zunehmend eine ausgedehnte subkutane Fibrosierung und Sklerosierung ausbilden, wie auch eine Papillomatosis cutis lymphostatica der Haut). Während die klinischen Zeichen beim primären Lymphödem von distal nach proximal abnehmen, besteht beim sekundären Lymphödem ab Unterbruchstelle eine sich nach distal ausbreitende Schwellneigung. Die analogen klinischen Zeichen finden sich alle auch an der oberen Extremität.

Klinische Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung erfolgt nach der International Society of Lymphology (ISL) oder Földi. Dabei spricht man vom Stadium I, wenn sich das Lymphödem über Nacht noch spontan erholt, vom Stadium II, wenn keine spontane Erholung mehr beobachtet wird (weil bereits eine zunehmende Fibrosierung besteht), und vom Stadium III, der Elephantiasis. In diesem können neben einer gigantischen Extremität auch ausgedehnte lymphatisch bedingte sekundäre Veränderungen beobachtet werden, wie ausgedehnte Fibrose, Papillomatose, Lymphzysten oder Ulzerationen.

Therapieoptionen

Die therapeutischen Möglichkeiten sind limitiert. Für einzelne Patienten wird es in naher Zukunft voraussichtlich auch operative Optionen geben. Gute Ergebnisse scheint die autologe Lymphknotentransplantation bei sekundärem Lymphödem zu zeigen. Auch die mikrochirurgische Anlage von lymphvenösen Shunts, wie bereits an vereinzelten Zentren weltweit durchgeführt, zeigt in ersten Studien gute Ergebnisse. Am Einsatz von lymphatischen Wachstumsfaktoren (VEGF) wird intensiv geforscht.

Kompression und manuelle Lymphdrainage oder komplexe physikalische Entstauungstherapie

Etabliert und auch in nächster Zukunft für die meisten Patienten die Therapie der Wahl ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie.

Über die manuelle Lymphdrainage werden die Lymphgefäße zu maximaler Tätigkeit stimuliert, diese beginnt immer im Mündungsbereich clavikulär und arbeitet sich nach peripher vor. Die wichtigste Maßnahme aber ist die absolut konsequente Kompressionstherapie. Flüssigkeit lässt sich nicht komprimieren, aber sie lässt sich verschieben. Durch die Kompression wird der interstitielle Druck angehoben, womit die Filtrationsmenge abnimmt und damit auch das ödempflichtige interstitielle Flüssigkeitsvolumen. Die Kompression verschiebt die interstitielle Flüssigkeit aber auch in die terminalen, resorptionsfähigen Lymphkapillaren und unterstützt zusätzlich den Lymphabfluss. In einer ersten intensiven Phase, in der das Ziel einer Entödematisierung besteht, wird die manuelle Lymphdrainage täglich eingesetzt, verbunden mit einer fachgerecht angelegten Kurzzug-Kompressionsbandage. Zusätzlich setzen die Therapeuten fibroselockernde oder den Druck verstärkende Schaumstoffelemente ein. In der Erhaltungsphase wird die manuelle Lymphdrainage individuell angepasst wöchentlich oder intermittierend angewendet. Immer aber muss eine konsequente Kompressionstherapie durchgeführt werden. In dieser Phase wird der Kompressionsstrumpf eingesetzt.

Kompressionsstrumpf

Die Aufgabe des Kompressionsstrumpfes ist es, eine möglichst kontinuierliche und permanente Kompression auszuüben, um der im Tagesverlauf zunehmenden Einstauung entgegenwirken zu können. Ein idealer Kompressionsstrumpf wäre infolgedessen sehr einfach und sehr elastisch anzulegen, danach aber starr und unelastisch in der Tragephase. Aufgrund dieser diskrepanten Anforderungen kann ein Kompressionsstrumpf nie eine gute Kurzzugkompressionsbandage ersetzen, aber er kann sich dieser annähern. Gefordert ist ein Kompressionsstrumpf mit möglichst hohem Arbeitsdruck. Diese Voraussetzungen erfüllen am besten dicke und fest/dicht rundgestrickte Kompressionsstrümpfe sowie alle flachgestrickten Kompressionsstrümpfe. Rundgestrickte Kompressionsstrümpfe mit einem kurzzugigen Verhalten dürfen bei leichten Formen des Lymphödems durchaus eingesetzt werden. Bei fortgeschrittenen Formen des Lymphödems, insbesondere bei unförmigen Extremitäten, sollte jedoch zwingend ein sogenannter Flachstrickstrumpf zur Anwendung kommen. Diese werden zweidimensional gestrickt, was die Variation der Maschenzahl bei gleicher Maschenweite ermöglicht. Durch das Zusammennähen sind diese Kompressionsstrümpfe deutlich aufwendiger in Produktion und Preis. Sie sind jedoch die Therapie der Wahl bei allen Formen des fortgeschrittenen Lymphödems.

Welcher Kompressionsdruck?

Die wenigen, aktuell vorliegenden Studien zur Bestimmung des optimalen Kompressionsdruckes ergeben, dass ein moderater Druck (das heißt unter 30 mmHg am Arm) einem höheren Druck überlegen zu sein scheint. Auch am Bein scheinen Druckwerte um 40 mmHg ideal. Im Alltag gilt es jedoch, den für den individuellen Patienten optimalen Strumpf oder die optimale Strumpfkombination nach und nach herauszuarbeiten. Ein „erfahrener“ Lymphpatient kann sehr schnell sagen, wo Korrekturen, Ergänzungen oder eine Steigerung des Druckes notwendig sind.

 

Genehmigter und bearbeiteter Nachdruck aus Ars medici 14/2013

Autor:

Dr. med. Stephan Wagner