15. Jul, 2016

Bildung - Weiterbildung - Einbildung

Dem Gesetz nach ist jeder Heilmasseur, jede Heilmasseurin verpflichtet, innerhalb von 5 Jahren 40 Stunden zur Weiterbildung zu investieren. Soweit die Theorie in einem Satz zusammengefasst. Nun die Praxis, etwas länger beschrieben. Nachdem ich ein gesetzestreuer österreichscher Staatsbürger bin, sammelte ich eifrig Kursstunden um Kursstunden - immer darauf achtend, erstens die 40 Stundenmarke zu erreichen, zweitens, die 5-Jahres-Frist nicht zu verpassen. Danach ging es an die Frage, wer kontrolliert diese Weiterbildungen? Gesundheitsabteilung der Bezirkshauptmannschaft? Wirtschaftskammer? Gesundheitsministerium? Kurz: Niemand ist dafür zuständig, die interessanteste Auskunft bekam ich von der Gesundheitsabteilung der Bezirkshauptmannschaft:"Sie werden ja eh nur die Kurse absolvieren, für die sie sich interessieren." Fein. Soweit zur Realität. Somit sind wenige meiner Kollegen und Kolleginnen wirklich sehr dahinter, irgendeine fachliche Weiterbildung zu tun. Ich versuche, wo immer es geht, Weiterbildungsangebote (in meinem Spezialgebiet manuelle Lymphdrainage und in meiner Eigenschaft als lehrberechtigter Heilmasseur und Vorstandsmitglied der Österreichischen Lymphliga) zu finden oder zu schaffen. Einige Massageschulen (auch "Massageakademien" darunter) waren entweder überhaupt nicht interessiert an einer Mitarbeit meinerseits, haben nach anfänglichem Interesse und langem Zögern kurz und bündig mit einem "Nein" abgesagt oder sie haben mich schlicht und einfach nicht einmal ignoriert.   Ja, leider ist das eine Spirale nach unten, die sich da dreht. Kein Interesse, da ja mehr oder weniger "gesetzliche Freiwilligkeit" herrscht, daher kein Angebot, daher kein Interesse weil ja kein Angebot, usw.

Wie der Zufall immer wieder spielt, bekam ich ein wirklich interessantes Angebot, im Sommer bei einem zweitägigen, 16-stündigen Workshop über KPE/ML mitzuarbeiten. "Gute Idee", dachte ich, ein paar Fliegen auf einem Schlag - Weiterbildungsangebot, herrliche Umgebung im schönen Bayern, ein wenig Urlaubsflair. Leider weit gefehlter Gedanke, wie ich nun  draufkomme. Reaktion einer Massageschule auf meine Idee:"Du darfst das ja gar nicht machen! Das ist wohl ein Witz?" Die netteste Antwort, einer Kollegin auf meine Frage, ob Interesse bestünde, daran teilzunehmen:"Jeder Heilmasseur muss die Lymphdrainage können! Wozu also eine Fortbildung?"

Solche Worte musste ich einmal verdauen. Auf der einen Seite das ständige Jammern über die grosse Konkurrenz, vor allem der Physiotherapeuten, auf der anderen Seite die konsequente Ablehnung, sich fortzubilden um sich vielleicht doch einen kleinen Vorteil am heiss umkämpften Gesundheitsmarkt zu verschaffen - was ja gesetzlich auch noch festgeschrieben ist! Gerade hier wäre ja die Stärke der Heilmasseure - Weiterbildung!  Nische finden und besetzen. Leichter ist da natürlich die Varriante, welche in Österreich Tradition hat. "Wird schon gut gehen!" "Wird nicht so schlimm sein!" "Wir werden ja sehen!" "Mal schauen, was wir sehen werden!" Um anschliessend ins grosse Jammern zu verfallen, dass die ganze Welt speziell nur dafür geschaffen wurde, um genau gegen seine Person vorzugehen.

Wie auch immer, ich werde weiterhin nichts unversucht lassen, Weiterbildungsmöglichkeiten zu schaffen und anzubieten aber auch gute Weiterbildungsmöglichkeiten für mich zu finden.