3. Okt, 2016

Lymphdrainage in der pall. Medizin und bei Chronisch Kranken?

"Das Streicheln wird mir sicher nicht helfen!" durfte ich vor nicht allzulanger Zeit von einer Patientin hören, als ich, nach dem ersten Lymphdrainage-Termin einen nächsten fixieren wollte.

Diese Dame war verzweifelt, suchte jede Möglichkeit, um ihre Schmerzen zu lindern. Nun, ich konnte sie überzeugen, nach längerer Diskussion, mir noch eine Chance zu geben - jetzt, gestern, ein gutes halbes Jahr später, ist sie friedlich und praktisch ohne Schmerzen gestorben, wie mir gerade mitgeteilt wurde. Das wirft jetzt natürlich die Frage auf, ob die manuelle Lymphdrainage Scharlatanierie ist, Placebo oder etwa doch hilfreich?

Zuerst muss man mM. als Therapeut mit dem Patienten zusammen definieren, was unter "hilfreich" zu verstehen ist. Das ist individuell verschieden zu sehen.  In den meisten palliativen sowie chronisch krank-sein-Fällen steht die Schmerzlinderung im Vordergrund. Aber wie soll das mit "streicheln" gehen?  "Die manuelle Lymphdrainage wird verschrieben, wenn ein Lymphödem festgestellt wird!"- eine Auskunft eines Spitalarztes.  Meine Meinung dazu: "Ja sicher, ABER....." - die manuelle Lymphdrainage hat ja noch andere gute Eigenschaften zu bieten, welche ein ausgebildeter Therapeut natürlich weiss und auch anwenden kann und wird. Neben der Ödemreduzierung sind an ganz oberster Stelle folgende "Nebeneffekte" zu nennen: nervenberuhigend, entgiftend, und als Folge der beruhigten Nerven: Schläfrigkeit sowie schmerzstillend. Und damit haben wir schon einen sehr wichtigen und grossen Schritt in die richtige Richtung getan.  Denn, ein Mensch sehnt sich in Ausnahmesituationen (und welche Situation ist noch mehr Ausnahme als eine palliative?) meistens nach Zuwendung, Beruhigung. Eine beruhigende Lymphdrainage, rhytmisch und sanft und ohne Stress durchgeführt, kann sehr gut helfen, den Schmerz und die dadurch entstehenden Ängste zu reduzieren oder gar zu nehmen. Das Durchbrechen der Schmerzspirale ist das Gebot in so einer Situation. Durch Medikamente natürlich und selbstverständlich, aber auch durch eine für den Körper viel sanftere Methode. Ganz das gleiche gilt für Personen, welche chronisch krank sind! Durch regelmässige Behandlung kann sich eine längere schmerzfreie Phase einstellen. Sogar (und das habe ich durch meine Patientinnen sehen dürfen) bei langjährig Zuckerkranken begann sich der Zucker wieder etwas zu "normalisieren". Die Dosis an Insulin konnte ein wenig reduziert werden, ein etwas normaleres Lebensgefühl stellte sich ein. Diese und ähnliche Erfolge sind natürlich nicht die Normalität im Alltag von chronisch Kranken, es ist aber meiner Erfahrung nach eine manuelle Lymphdrainage, mehr oder weniger lange eingesetzt, welche dem Menschen hilft, den Alltag besser und schmerzfreier zu bewältigen. Das sollte man als Arzt/Ärztin, als Therapeut/Therapeutin, als Patient/Patientin, als Angehöriger eines Patienten bzw. einer Patientin nicht aus dem Auge verlieren!