21. Feb, 2017

Kompression - der tägliche Kampf mit der Materie

Mit Müh und Not

Mein täglicher Kampf. DRRRRRRIIIING; DRRRRIIIING - mein Wecker klingelt. Auf gehts in den wunderschönen, neuen Tag. Müde und mit halboffenen Augen sitze ich im Bett, schaue mir die zurechtgelegten Sachen an. ..... Kompressionsstrumpfhose ist das angesagte Kleidungsstück meiner Wahl.

Ein neuer Tag, ein neuer Kampf

Irgendwie hab ich heute so gar keine Lust mich in die Kompressionstrumpfhose hinein zu quälen. Alleine der Gedanke lässt mich Schaudern. Aber mit einem Tag ohne Kompression leben? Die Schmerzen für ein bisschen Freiheit in Kauf nehmen? Eine kleine Abstimmung beginnt in meinem Kopf zu kreisen. Pro und Contra. Pro gewinnt natürlich. Wer will schon freiwillig Schmerzen ertragen? Also her mit dem Fetzen und an das Ding! Leichter gesagt, als getan. Erst einmal schön zurecht legen, dann Stück für Stück die Füße einfädeln. Der erste kleine Kampf beginnt manchmal schon an der Ferse. Tja schlau wie ich nun ma bin, habe ich diese Hürde natürlich ganz leicht gemeistert – ein Ruck und rüber. Wäre doch gelacht.

Nur weiter!

Kurz tief durchgeatmet, dann ein, zwei kräftige Züge, diesen kleinen widerspenstigen Neoprenanzug bis zu den Kniekehlen hochziehen. Wunderbar - geschafft. Wenn jetzt das Telefon klingelt, bin ich handlungsunfähig. Auch wenn dieses Haus nun brennt, oder der Nachbar Erste Hilfe benötigt, ich werde hier wohl noch ein wenig sitzen und zusehen müssen. Also, neue Kraft sammeln. Ich fummle die enge Kompressionshose über meine Knie, schön langsam aber kräftig ziehen, damit keine Falten entstehen. Nun, endlich habe ich sie auf mittlerer Höhe auf den Oberschenkel, Zeit für eine kurze Pause. Und jetzt? Sackhüpfen? Ja, eigentlich schon, zumindest sowas ähnliches.

Mut sammeln

Ich stehe da, denkte darüber nach, das Ganze wieder rückgängig zu machen. Einfach schnell wieder ausziehen und in die Ecke schmeissen. Meine kleinen, bösen Dämonen in meinem Kopf geben sich alle Mühe mich zu überzeugen – kleine, ganz böse Viecher! Aber Nein! Nicht mit mir! Nicht heute! Ich werde das jetzt durchziehen. 3 – 2 – 1 – und Los gehts! Ein kräftiger Ruck und die Hose sitzt nun auch über meinem Oberschenkel und Gesäß. Fast schon an der korrekten Stelle. Ein kleiner Sprung, ein bisschen Gymnastik, drei kleine Ausfallschritte, ansatzweise ein paar Schritte den Vogeltanz üben, fünf Kniebeuge und zehn Yogafiguren später sitzt tatsächlich alles an Ort und Stelle. Was bin ich doch gut! Zum Schulterklopfen! Fühlt sich jetzt gar nicht schlecht an. Ich schau in den Spiegel – Ja aber Hallo – schick, wie das alles so in Form gebracht wurde!

Überzeugt

Ja das war doch gar nicht so schwer. Hat perfekt geklappt, sieht top und cool aus. Wo war das Problem? Meine kleinen, bösen Dämonen haben sich in die hinterste Ecke verkrochen, irgendwas schreiben sie da auf Papier, aber ich ignoriere Sie. Ich habe den heutigen Tag gewonnen, ich sehe gut aus, keine Schmerzen – Selbstvertrauen Level 100 – der Tag kann kommen.

Nochmal schaue ich in die Ecke, da sitzen Sie, halten Schilder in die Höhe „Morgen ist ein neuer Kampf“. Sie haben recht, doch ich bin gewappnet – der SIEGER bin ICH.