7. Mrz, 2017

ein sehr häufiges Krankheitsbild "Geschwollene Beine"

Von geschwollenen Beinen spricht man bei einer vermehrten Ansammlung von Flüssigkeit in den Beinen. Aufgrund des aufrechten Gangs des Menschen sammelt sich überzählige Flüssigkeit im Gewebe wegen der Schwerkraft zuerst in den Beinen an. Geschwollene Beine, auch Beinödeme genannt, kommen entweder durch eine Ansammlung von Wasser oder von Lymphflüssigkeit zustande. Beim Lymphödem besteht ein verminderter Abfluss der Lymphflüssigkeit, meist aufgrund einer Verlegung der Lymphbahnen im Bereich der Lymphknoten . Häufigste Ursache von geschwollenen Beinen ist ein verminderter Blutfluss zurück zum Herzen: "Wasser wird aus den Gefässen abgepresst" und sammelt sich in den Beinen. Meist liegt die Ursache in einer Bein-Venenschwäche oder einer verminderten Herzleistung.

Geschwollene Beine entstehen durch Austritt von Wasser aus den Blut und Lymphgefässen ins umliegende Gewebe. Durch die Wasseransammlungen im Gewebe (auch "Ödem" genannt) fühlt sich die Haut "teigig" an und beim Eindrücken der Haut mit dem Finger bleibt für einige Zeit eine Delle zurück.

Die Schwellung kann in unterschiedlicher Art und Weise auftreten, was bereits Hinweise auf die Ursache geben kann:

  • Schwellung betrifft nur ein Bein oder beide Beine
  • Örtlich begrenzte Schwellung (z.B. Knie, Knöchel, Fussrücken) oder ganzes Bein geschwollen
  • Plötzliches Auftreten innerhalb kurzer Zeit (wenige Tage) oder allmähliche Zunahme über  längeren Zeitraum (Wochen)
  • Im Zusammenhang mit geschwollenen Beinen sind weitere Beschwerden häufig: "müde" und "schwere" Beine, Spannungsgefühl, Juckreiz, Kribbeln oder Taubheitsgefühl, nächtliche Wadenkrämpfe, Überwärmung, Fieber, Schwierigkeiten beim Gehen

Länger bestehende Beinschwellungen können das Gewebe schädigen und Folgeprobleme wie Thrombosen oder offene Beine verursachen.

 

Was kann dahinterstecken?

Oft sind geschwollene Beine auf harmlosere Ursachen wie langes Sitzen oder Stehen und hohe Sommertemperaturen zurückzuführen. Es können aber auch ernsthafte Herz-, Nieren oder Lebererkrankungen dahinter stecken. Ein geschwollenes Bein ist auch das Hauptzeichen einer Venenthrombose. Daneben kommen noch viele weitere Ursachen in Frage.

Ursachen für geschwollene Beine :

  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Venenleiden: Venenschwäche, Krampfadern, Venenthrombose
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Schilddrüsen-Unterfunktion
  • Lymphödem
  • Erysipel (bakterielle Hautentzündungen, auch Wundrose oder Rotlauf genannt)
  • Alergien (allergische Entzündungsreaktionen)
  • Hormonschwankungen/Umstellungen (vor der Monatsblutung, Wechseljahre, Schwangerschaft)
  • Medikamenten-Nebenwirkung
  • Alkoholmissbrauch
  • Eiweissmangel (bei Nierenerkrankungen, Anorexie , Magersucht                            

    Bei geschwollenen Beinen infolge von Venenleiden kann man einiges selber zur Vermeidung oder Linderung tun. Hier einige hilfreiche Tipps:

    • Liegen und Laufen ist gut, Sitzen und Stehen ist schlecht für die Venen
    • Hochlagern entlastet die Beine
      Achtung: Kein Hochlagern bei Beinschwellungen aufgrund von Herzerkrankungen, Durchblutungsstörungen oder Thrombose (verstärkt die Schwellung).
    • Mehr Bewegung im Alltag: Treppensteigen statt Rolltreppe, Regelmässiges Aufstehen bei sitzenden Tätigkeiten
    • Gesunde Ernährung und viel Bewegung hilft Übergewicht zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern. Besonders venenfreundliche Sportarten sind: Schwimmen, Walken, Radfahren, Tanzen.
    • Beingymnastik: wiederholtes Anspannen der Wadenmuskeln und kreisende Bewegungen mit den Füssen verbessern den Rückfluss in den Venen und reduzieren die Schwellung.
    • Anwendung von Stütz- oder Kompressionsstrümpfen in Absprache mit dem Arzt
    • Kalt-Warm-Wechselduschen verbessern die Venenfunktion; heisse Bäder und ausgedehnte Saunabesuche meiden.
    • Rauchen und Alkohol schädigen die Blutgefässe, daher am besten vermeiden       

      Eine erstmalige oder wiederkehrende Schwellung der Beine oder Füsse muß immer ärztlich abgeklärt werden. Sofort zum Arzt soll man, wenn die Beinschwellung innerhalb kurzer Zeit auftritt und von weiteren Beschwerden wie Schmerzen, Überwärmung, Fieber, Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen begleitet ist.

      Welcher Arzt ist zuständig?    Hausarzt, Internist, Kardiologe, Phlebologe        

      Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese)

      • Fragen zur Beinschwellung selbst: ein Bein oder beide Beine betroffen, gesamtes Bein oder nur bestimmte Region geschwollen, seit wann und wie aufgetreten (plötzlich, innerhalb weniger Tage oder über längeren Zeitraum allmählich zunehmend), was verschlechtert und was verbessert die Beinschwellung, etc.
      • Abklärung der Risikofaktoren für Beinvenenthrombose: Übergewicht, Immobilisation (Bettlägerigkeit, langes und beengtes Sitzen (Reisethrombose), kürzlich zurückliegende Operation, bekannte Krampfadern, Pille (insbesondere bei Raucherinnen), Schwangerschaft
      • Begleitsymptome (siehe oben)
      • Vor- und Begleiterkrankungen, v.a. Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen, inklusive Operationen
      • Bedeutsame Erkrankungen/Todesursachen in der Familie
      • Medikamenteneinnahme
      • Allergien
      • Lebensumstände, beruflicher und sozialer Hintergrund
      • Lebensgewohnheiten: Ernährung, Schlaf, Genussmittel (Kaffee, Alkohol, Nikotin, Drogen), Stress, etc.

      Körperliche Untersuchung
      Bei der körperlichen Untersuchung wird insbesondere das Herz abgehört, auf Zeichen der Herzschwäche geachtet (typisch sind geschwollene Halsvenen) sowie die Leber abgetastet. Bei der Inspektion der Beine beurteilt der Arzt vor allem das Ausmass der Beinschwellung, das Hautbild und sucht nach sonstigen Auffälligkeiten und prüft  den Zustand der Beinarterien durch Abtasten und Abhorchen.

      Weitere Diagnostik/spezielle Untersuchungen

      • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Beine: Beurteilung von Venenzustand und Blutfluss in den Beinen
      • EKG (Elektrokardiogramm ) zur Darstellung der Herzströme
      • Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie, kurz Herzecho)
      • Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane (v.a. Leber)
      • Blutuntersuchungen je nach Verdacht
      • Phlebographie (Röntgen der Beinvenen mit Konstrastmittel)
      • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRI)
      • Je nach Ursache der Beinschwellung sind eventuell weitere Untersuchungen notwendig.                                                     

        Die Behandlung bei geschwollenen Beinen richtet sich nach der Ursache. Beispiele dafür sind:

      • Entwässernde Medikamente (Diuretika) bei Herzschwäche oder Nierenerkrankungen
      • Bei Thrombosen: Kompressionsstrümpfe und zusätzlich blutverdünnende Medikamente, eventuell operative Entfernung des Blutgerinnsels.
      • Bei Krampfadern kommen je nach Ausprägung verschiedene operative Verfahren in Frage: Veröden, Lasern oder Venenstrippen
      • Lymphödem: Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsstrümpfe, hier sind entwässernde Medikamente nicht sinnvoll
      • Allergische Entzündungsreaktionen: antiallergische Medikamente, kurzfristig auch Kortison-Präparate
      • Bakterielle Hautinfektionen werden mit Antibiotika behandelt.