1. Jun, 2017

Burn-Out. Eine Krankheit?

Laut Statistik erleben in der EU ca. 69 Prozent (in Österreich sind es aktuell "nur" ca. 40 Prozent) aller Erwachsener im Laufe ihres Lebens eine Situation, welche mit "Burn-Out" umschrieben wird. Sollten Sie sich jetzt fragen, ob "Burn-Out", oder wie es so schön altmodisch geheissen hat "Ausgebrannt-Sein", eine Krankheit ist und wenn ja, was das auf der Seite eines Heilmasseures zu suchen hat, möchte ich dazu ein paar Sätze darüber verlieren.

Zum Einen, Burn-Out ist als solches (und per Definition) nicht als  Krankheit anerkannt – nein – es handelt sich um verschiedene Krankheitsbilder, welche, zusammengefasst, das Schlagwort "Burn-out" bilden. Also vorwiegend ein psychisches Problem? Unbestritten. Wozu dann auf der Webseite eines Heilmasseures? Dazu darüber später vieles mehr.

Zuerst will ich kurz die Fachliteratur bemühen, was eigentlich alles in diesem Krankheitsbild zusammengefasst ist.

Zum Beispiel kann man folgendes lesen:

- Die Beeinträchtigungen treten nicht immer entsprechend der Stufenmodelle auf. Anzeichen von Burnout mischen sich fallweise - sie pendeln vielleicht in unterschiedlichen Schweregraden der Erschöpfung. Hier spielt Ihre Ressourcenlage eine wichtige Rolle. Nach Erholungsphasen werden Sie einige Zeit mehr Energie verspüren und die Anzeichen demnentsprechend leichtere sein. Wenn Sie ihre Symptome als Indikatoren im Auge behalten, kann es ausreichend sein, dass Sie vorsichtiger werden und sich damit Erleichterung verschaffen.

Oder auch:

Alle AutorInnen und ForscherInnen nennen die folgenden Symptomebenen als die 5 wichtigsten Gruppen von Anzeichen:

1. veränderte psychische Befindlichkeit

Die psychische Befindlichkeit reicht von gereizt, dauermüde, depressiv, ängstlich, unter Druck, gehetzt, aggressiv, ratlos, kraftlos, angespannt bis sorgenvoll. Das Leben wird als ein fremdartiger Zustand empfunden, bis hin zum Gefühl, völlig neben sich zu stehen. Diese veränderte Selbstwahrnehmung kann Angst machen. Libidoverlust siehe unter 4. ist ebenfalls ein häufiges Symptom, es läßt sich auch mit Viagra+Co nicht "in den Griff" bekommen. Entlastung ist hier das Mittel der Wahl, bevor Sie zur Sexualtherapie starten.

2. körperliche Beeinträchtigungen

Auf körperlicher Ebene werden zunehmend mehr einschränkende Anzeichen spürbar. Von beginnender Unruhe und Schlafstörung bis zum völligen Zusammenbruch (ähnlich einem Herzinfarkt).

Körperliche Anzeichen sind: Wenn plötzlich und ohne erkennbare Vorbelastungen körperliche Symptome auftreten: Kopfschmerz, Schwindel, starke unaufhörliche Müdigkeit, Zittern, ... Änderungen im Blutbild (entzündliche Prozesse) sollten unbedingt andere mögliche Ursachen durch entsprechende medizinische Untersuchungen ausgeschlossen werden.

3. Verhaltensänderung gegenüber Ihren Mitmenschen

Die KundInnen/KollegInnen fallen möglicherweise zunehmend zur Last, werden als lästig fordernd erlebt (obwohl Sie Ihnen das Wichtigste sind). Zynische Worte, Ironie schafft wieder emotionale Distanz und sind gleichzeitig ein Ventil für Ihr Gefühl des Belastetseins. Gleichzeitig wird der Kontakt dadurch geringer.

4. sozialer Rückzug

Arbeitszeit "frisst" Privatzeit. Unmerklich geschieht sozialer Rückzug - der über die Rückmeldung von aufmerksamen Menschen bemerkt werden kann. Wer wenig Zeit für (neue) Begegnung aufbringt verliert seine Kontakte rasch. Mißtrauen, Angst vor dem Ertapptwerden, Sich-Verschließen und der Begegnung ausweichen. Zum Sozialen Rückzug gehört im partnerschaftlichen auch der Lustverlust und der Rückgang der sexuellen Aktivität.was auf längere Sicht Folgeprobleme bringt.

5. Änderungen an persönlichen Werten

Was Ihnen wichtig war/ist könnte sich verändert haben. Möglicherweise ist der Leistungsaspekt, ein "Mehr" und "Nie genug", ein "Sofort", ein "unbedingt und immer" in den Vordergrund gerückt. Diese Entwicklung ist zu Lasten von "Was ich brauche", was "zu schaffen ist", so gekommen. Der Terminkalender und die to-do Liste regieren das Leben. Vorher war es freiwillige Begeisterung, jetzt ist es ein "Muss" und "Geht nicht anders" geworden.

Vielleicht kennen Sie auch das Phänomen der inneren Kündigung, eine Art Rückzug aus der aktiven Beteiligung, um nur mehr Dienst nach Vorschrift zu tun.

Bei all diesen Beschreibungen fallen mir unter anderem folgende Stichworte auf: "depressiv, dauermüde, überreizt, ratlos, kraftlos, agressiv, unbedingt, Last".

Das sind ja schon einmal eine ganze Menge an Anhaltspunkten, welche einem, ganz wichtig, nach dem Besuch beim Arzt, veranlassen solltem einen Heimasseur aufzusuchen.

Denn in einer Zeit, in der bei vielen Menschen der einzige Körperkontakt vielleicht der Ellenbogen des Kollegen, der Kollegin in seiner Magengrube ist, welche sich in der Reihe vordrängelt um irgendwo doch noch vor ihnen zu sein, benötigt man neben Selbstbestätigung, also Bestätigung seiner Leistung durch Dritte, auch ein Selbstlob sowie eine "Eigenkörperwahrnehmung", man muss sich wieder selbst spüren dürfen.

Bei alll jenen, vor allem beim Punkt der Eigenkörperwahrnehmung kann der Heilmasseur sehr gut weiterhelfen.

Denn, was bewirkt eine Massage unter anderem? Was bewirkt unter vielem anderen eine manuelle Lymphdrainage?

Die Wirkung von Massage ist unter anderem folgende:

Die körperliche Wirkung: verstärkte Durchblutung von Haut, Muskulatur, Unterhautfetgewerbes und des Bindegewebes, verstärkte Gleitfähigkeit der Muskulatur, Vorbereitung des Atmungssystems sowie der Wärmeregulation über das zentrale Nervensystem (ZNS)

Die psychologische Wirkung: leistungsfördernde psychische Beeinflussung, grosse Aufnahmebereitschaft während der Massage, Einfluss auf die Erregung und Beruhigung sowie auf das Wohlbefinden, Steigerung des Selbstvertrauens, Verbesserung der Reaktionsschnelligkeit (über das ZNS), Einfluss auf den Vorstartzustand (Nervosität, Lampenfieber, Apahtie...)

jene der manuellen Lymphdrainage sind unter vielen anderen:

entwässert, entgiftet, entschlackt, beruhigt, stärkt das Abwehrsystem

Die Lymphdrainage eignet sich u.a. für Beschwerden, bei denen es zu Stauungen (Ödemen) im Gewebe kommt, zum Beispiel:

Blutergüße, Schwellungen nach Verletzungen, Zerrungen, Verstauchungen, Luxationen, Kopfschmerzen, HWS-Syndrom, Migräne, Rheumatische Erkrankungen, Allergien

Wenn man all die von Sport- oder Operationsverletzungen herrührende Beschwerden ausklammert sind da also "Kopfschmerzen", "HWS-Syndrom", "Migräne" bei der ML sowie "leistungsfördernde psychische Beeinflussung", "Einfluss auf die.....Beruhigung sowie das Wohlbefinden", "Steigerung des Selbstvertrauens" bei der Massage zu finden.

Zurück zum "Burn-Out" : Klingt schon einmal vernünftig, sich zu einem Masseur zu begeben, wenn man sich die körperlichen Anzeichen von Burnout anschaut – "Kopfschmerz", "Schwindelgefühl", "dauermüde", "kraftlos", u.v.a.

Vom Sport weiss man doch, dass eine gute Massage die Regenerationszeit um vieles verkürzt, eine manuelle Lymphdrainage eine Verletzungspause wirklich dramatisch zusammenschrumpfen lässt. Kennt jeder aus der Zeitung oder den Fernsehberichten.

Wieso kann man dann diese Techniken nicht auch in der Sportdisziplin "Überleben in der Firma/Arbeit" bemühen?

Eine Klientin erklörte mir einmal, dass die wöchentliche Massage für sie unter "Erhaltung der Kampfkraft fürs tägliche Überleben" falle – besser kann man das eigentlich nicht ausdrücken.

Zusammenfassend, Burn-Out ist also keine Krankheit an sich, sondern eine Vielzahl an Verletzungen und Selbstverletzungen der Seele und des Körpers, bei dem, nach einem Arztbesuch und psychologischer Hilfe auch der Besuch bei einem (Heil)Masseur sehr weiterhelfen kann.