23. Jun, 2017

Lymphödeme - Betroffene nach wie vor stark unterversorgt

Rund 200.000 Menschen in Österreich sind von einem Lymphödem betroffen. Dabei ist das Lymphgefäßsystem, das den ganzen Körper durchzieht, an einer oder mehreren Stellen beschädigt. Die dadurch bedingten Schwellungen ganzer Körperteile können groteske Ausmaße annehmen. Entsprechend hoch kann der Leidensdruck sein.

Bei zehn Prozent der Patientinnen ist die Krankheit angeboren. In diesem Fall existieren zu wenige richtig angelegte Lymphgefäße, bzw. funktionieren diese nicht - man spricht dann von einem primären Lymphödem.

90 Prozent hingegen weisen ein sekundäres Lymphödem aus. Ursachen für diese erworbene Lymphgefäßschädigung sind unter anderem Unfälle, Rotlauf, Strahlentherapie und Operationen. Am häufigsten entstehen Lymphödeme nach einer Brustkrebs-Operation. Ähnlich hoch ist das Risiko aber auch nach der Behandlung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich bzw. von Krebserkrankungen in der Beckenregion (Prostata, Hoden, Eierstöcke, Blasen, Darm etc.) Werden in diesen Arealen mehrere zentrale Lymphknoten entfernt oder geschädigt, kann die Lymphflüssigkeit aus dem betroffenen Gewebe nicht mehr abtransportiert werden.

Lymphödeme treten in unterschiedlichen Schweregraden auf: von geringen Schwellungen, die über Nacht wieder verschwinden, bis hin zu sehr schmerzhaften Deformierung ganzer Körperteile mit fallweise riesigen Schwellungen (Stichwort Elephantiasis). Zusätzlich kann es in fortgeschrittenen Stadien zur Verhärtung bzw. Verhornung der Haut kommen. Wird mit den Therapiemaßnahmen nicht rechtzeitig begonnen und werden diese nicht kontinuierlich durchgeführt, verschlechtert sich das Krankheitsbild automatisch. Allerdings ist das Lymphödem an sich gut behandelbar. Der Goldstandard ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Dazu zählen manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbehandlung mit Bandagen, Entstauungsgymnastik und Hautpflege. Regelmäßig durchgeführt, kann man Lymphödeme damit zwar nicht heilen, aber die Schwellungen um einiges verkleinern. Vorausgesetzt man kann sich die Therapie leisten. Denn von den Krankenkassen wird nach wie vor nur ein Bruchteil der Kosten ersetzt. Überdies gibt es in Österreich viel zu wenige ausgebildete Lymphtherapeuten. Und für die schweren Fälle, die eine stationäre Therapie benötigen, existieren gerade einmal zwei Zentren (in Wolfsberg und Walchsee). Zusätzlich zur KPE versucht man seit Kurzem auch chirurgische Strategien für die Behandlung von Lymphödemen zu entwickeln. In Frankreich wurden bereits vor 20 Jahren erfolgreiche operative Eingriffe durchgeführt – hierzulande ist bislang nur unser Sendungsgast Dr. Klaus Schrögendorfer auf dieses Gebiet spezialisiert. Er transplantiert Gewebeteile, die Lymphknoten, Arterien und Venen enthalten, an die geschädigten Stellen.

 

Dieses Mal sprach Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz mit seinen Gästen über alte und neue Therapieansätze beim Lymphödem und er geht der Frage nach, warum man als Patient im Jahr 2017 noch immer ziemlich tief in die Tasche greifen muss.

 

Eine Sendung von Mag.a Nora Kirchschlager.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz

Redaktion: Dr. Christoph Leprich

 

Studiogäste im FH Wien:

Helmut Markus

Heilmasseur mit Schwerpunkt manuelle Lymphtherapie

selbst nach einer Krebsoperation von einem Lymphödem betroffen

Landesstellenleiter der Lymphliga Niederösterreich

+43/660/76 36 201

helmut_markus@yahoo.de

http://www.lymphoedem.at/landesstellen/niederoesterreich/

 

Ass.-Prof. Dr. Klaus F. Schrögendorfer

Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie

Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität Wien, AKH

Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie

Spezialisierung im Bereich Lymphödemchirurgie

+43/1/40400/69060

Währinger Gürtel 18-20

1090 Wien

info@plastische.at

http://www.wienkav.at/kav/akh/Medstellen_Anzeigen.asp?ID=1823

 

Gast im ORF Landesstudio Kärnten:

Prim. Dr. Christian Ure

Vorstand der Lymphklinik Wolfsberg

Landeskrankenhaus Wolfsberg

Paul-Hackhofer-Str. 9

9400 Wolfsberg

+43/4352/533/76903

sekretariatlymph@lkh-wo.at