2. Jun, 2018

Fatigue - immer müde nach Krebs?

Fatigue bei Krebspatienten:

Was tun bei Müdigkeit und Erschöpfung?

Symptome, Ursachen, Behandlung und lindernde Maßnahmen

Immer müde, immer erschöpft?

Während einer anstrengenden Krebstherapie erscheint das den meisten Menschen als normal. Doch bei Tumorpatienten kann es zu einer besonders ausgeprägten Form der Erschöpfung kommen: Sie bessert sich selbst durch Ausschlafen oder Schonung nicht. Diese Form der Müdigkeit bei Krebs trägt den Namen tumorbedingte Fatigue. Was unterscheidet Fatigue von normalem Schlafmangel? Was kann man selbst tun? Welche Hilfe erhält man von Ärzten und weiteren Fachleuten? So überraschend es klingt: Vielen Betroffenen hilft Bewegung mehr als Schonung. Auch Unterstützung bei der seelischen und psychischen Krankheitsbewältigung hat sich als erfolgreich gezeigt. Aktuelle Analysen zeigen: Was jeweils nützt, hängt von den Auslösern der Fatigue ab. Weitere Hintergründe für Patientinnen und Patienten bietet der nachfolgende Text:

Akute und chronische Fatigue bei Krebs - Erschöpfung bei Krebs belastet Eine Krebserkrankung kostet Kraft: Man muss die Diagnose bewältigen und man muss körperlich und seelisch die Therapien verkraften. Müdigkeit und Abgeschlagenheit während dieser Zeit halten die meisten Menschen daher für etwas ganz Normales. Doch was tun, wenn die Kraftlosigkeit immer stärker wird und sich auch durch Schlaf, durch viel Ruhe und Schonung nicht bessert? Was, wenn man kaum noch in der Lage ist, seinen Alltag zu bewältigen? Diese besonders schwere Form der Erschöpfung bezeichnen Fachleute als Fatigue, vom französischen Wort für Müdigkeit, ausgesprochen "Fatieg". Ist eine solche Fatigue ein Anzeichen dafür, dass man die Therapie nicht verträgt? Oder ist sie gar ein erster Hinweis darauf, dass die Erkrankung fortschreitet? Ganz ausschließen lässt sich beides nicht. Statistiken zeigen jedoch: Eine Fatigue kann auch Patienten betreffen, deren Erkrankung unter Kontrolle ist und die gar keine Krebsbehandlung mehr haben. Sie kann sogar Menschen treffen, die eigentlich als geheilt gelten. Für Fachleute ist dies ein Hinweis darauf, dass hinter der ungewöhnlichen Erschöpfung mehrere verschiedene Ursachen stehen können. Ein weiteres Indiz dafür, dass Fatigue nicht gleich Fatigue ist, sind die Symptome: Manche Betroffenen fühlen sich vor allem körperlich schwach und möchten möglichst viel ruhen. Andere Betroffene beschreiben ihre Erschöpfung eher als psychisches Problem. Sie sind antriebslos, können sich zu nichts aufraffen, und selbst einfache Anforderungen erscheinen ihnen wie unüberwindliche Hindernisse. Weitere Symptome können ungewöhnliche Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit sein. Unterschiede gibt es außerdem bei der Dauer: Bei und kurz nach der Krebstherapie: Bei vielen Betroffenen treten die Probleme während und kurz nach einer Krebsbehandlung auf, als akute Fatigue. Ist die Therapie abgeschlossen, bessern sich die Symptome innerhalb einiger Wochen oder weniger Monate. Noch lange nach der Therapie: Es gibt jedoch Patienten, die noch Monate oder sogar Jahre später mit Erschöpfung zu kämpfen haben, einer sogenannten chronischen Fatigue. Diese Unterschiede machen klar: Ein Pauschalrezept für alle Krebspatienten mit Fatigue gibt es nicht. Um herauszufinden, was hilft und was nicht, brauchen Betroffene und ihre Ärzte Geduld. Zur Suche gehören nicht nur medizinische Untersuchungen. Betroffene selbst und Fachleute sollten auch erfassen, was genau die momentane Situation von bisher gewohnter "normaler" Erschöpfung oder Müdigkeit unterscheidet.

Viele verschiedene Auslöser, viele verschiedene Behandlungsansätze. Was sich gegen Fatigue tun lässt, hängt stark von der persönlichen Situation ab: Körperliche Beschwerden lindern: Ganz wichtig ist die Behandlung möglicher körperlicher Auslöser, etwa Schmerzen und andere Beschwerden. Begleiterkrankungen behandeln: Auch auf Begleiterkrankungen achten die Ärzte: etwa eine bisher nicht erkannte Schilddrüsenerkrankung, Herz- oder Lungenprobleme und weitere Krankheiten, die die körperliche Belastbarkeit einschränken könnten. Schlaf überprüfen: Die Schlafqualität ist ebenfalls ein wichtiges Thema bei der Abklärung: Wer nicht gut schläft, bleibt tagsüber müde. Psychosoziale Unterstützung: Vielen Betroffenen helfen Entspannungstechniken dabei, besser zur Ruhe zu kommen und sich schneller zu erholen. Wenn die seelische und psychische Belastung die Lebensqualität und den Antrieb mindern, kann eine psychosoziale Beratung und eventuell eine psychotherapeutische Begleitung gut sein. Training: Was auf den ersten Blick widersinnig klingt: Bewegung hilft gegen Erschöpfung. Studien haben gezeigt, dass ein auf die persönliche Situation abgestimmtes, körperliches Training die Symptome einer Fatigue lindert. Medikamente: Derzeit werden in Studien sogenannte Psychostimulanzien getestet, zum Beispiel Methylphenidat sowie Steroide ("Kortison"). Solche Arzneimittel kommen aber nur infrage, wenn sich eine Fatigue durch andere Verfahren nicht lindern lässt. Die eigentliche Behandlung der Fatigue erfolgt in erster Linie ohne Medikamente.

Symptome - woran man eine Fatigue erkennt: Körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung. Die Erscheinungsformen einer tumorbedingten Erschöpfung sind vielfältig. Es gibt nur vergleichsweise wenige Symptome, von denen fast alle Betroffenen während und nach einer Krebserkrankung berichten. Dazu gehören Müdigkeit und körperliche Schwäche. Bei anderen ist es eine allgemeine Traurigkeit sowie Antriebs- und Interesselosigkeit, unter Umständen kommen Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit hinzu. Die Erschöpfung kann sich ohne Vorwarnung zeigen – von jetzt auf nachher muss man unterbrechen, was man gerade tut – oder sie kann schleichend einsetzen. Sie zeigt sich unter Umständen auch dann, wenn man sich körperlich und geistig überhaupt nicht angestrengt hat. Man wünscht sich Ruhe, doch ausreichend Schlaf und Ruhepausen helfen nicht gegen die Müdigkeit. Selbst alltägliche Verrichtungen wie Aufstehen, Waschen und Anziehen können schon zu viel sein. Umso schwerer fällt es Betroffenen, ihre Therapie oder Rehabilitationsmaßnahmen durchzustehen oder gar nach der Erkrankung wieder zurück in den Alltag zu finden und ihrem Beruf nachzugehen. Trotz dieser allgemein beschriebenen Anzeichen gilt: Müdigkeit und Erschöpfung sind etwas sehr Subjektives. Eine Veränderung der körperlichen und geistigen Belastbarkeit kann sich auch ganz anders bemerkbar machen. Vielen Betroffenen fällt es nicht leicht zu erklären, was eigentlich so anders ist als vor ihrer Erkrankung. Man sollte sich dennoch nicht scheuen, Veränderungen jeglicher Art bei den behandelnden Ärzten anzusprechen. Sie können dann gezielt mögliche Ursachen abklären.


Diagnostik, das "Assessment": Wie Fachleute Fatigue erfassen - Zunächst versuchen Ärzte und je nach Situation auch weitere Fachleute in einem Gespräch herauszufinden, wie sehr man durch die Müdigkeit und Abgeschlagenheit belastet ist. Dann setzt die Suche nach möglichen Ursachen ein. Folgende Fragen sind zur Vorbereitung eines solchen Gesprächs wichtig: Seit wann fühle ich mich ungewöhnlich erschöpft? Wie stark ist meine Müdigkeit? Was ist anders als vor meiner Krebserkrankung? Bin ich dauernd müde? Oder gibt es Tageszeiten oder Situationen, in denen ich besonders erschöpft bin? Wie macht sich meine Müdigkeit körperlich bemerkbar? Hat die Erschöpfung Einfluss auf meine Stimmung? Bin ich traurig oder leicht reizbar? Habe ich das Gefühl, dass ich mich schlecht konzentrieren kann und mir Dinge nicht merke? Wie wirkt sich meine Erschöpfung auf meinen Alltag aus? Gibt es Dinge, die ich zur Zeit nicht schaffe? Wann und wie lange schlafe ich? Lege ich tagsüber Ruhepausen ein? Was mache ich in dieser Zeit, wenn ich nicht schlafe? Fachleute können außerdem standardisierte Erfassungsinstrumente nutzen. Dazu gehören Fragebögen oder Skalen, mit denen man genauer beschreibt, wie müde man sich fühlt. Auch eine Art Tagebuch kann helfen, besondere Auslöser zu identifizieren. Wichtig ist auch der körperliche Zustand. Ob eine Blutabnahme, Röntgen, Ultraschall oder andere diagnostische Verfahren notwendig sind, hängt von der individuellen Situation ab: Bei den meisten Krebspatienten, die in engmaschiger Betreuung sind, reichen die letzten Befunde zur Beurteilung aus. Das heißt, es müssen keine neuen, zusätzlichen Untersuchungen gemacht werden. Liegt die Krebserkrankung schon längere Zeit zurück? Dann wird der behandelnde Arzt prüfen, ob es auffällige gesundheitliche Veränderungen gibt. Bei Bedarf wird er entsprechende Untersuchungen veranlassen. Andere Ursachen? Abgrenzung von anderen Erkrankungen Ein Problem bei der Abklärung: Viele der aufgeführten Symptome einer Fatigue können auch bei Depressionen auftreten. Insbesondere bei Krebspatienten, bei denen es keine körperlichen Gründe gibt, fällt es Fachleuten deshalb nicht immer leicht, Fatigue von einer Depression zu unterscheiden. Man sollte sich deshalb nicht wundern, wenn Ärzte das Thema Depression bei der Suche nach den Ursachen einer Erschöpfung ansprechen - auch wenn man sich selbst nicht als deprimiert oder traurig wahrnimmt. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, einen Psychotherapeuten oder Psychologen zur Abklärung der möglichen Ursachen hinzuzuziehen.

Informationen sammeln, Angehörige und Freunde mit einbeziehen. Fatigue ist ein wenig bekanntes Problem bei Krebspatienten. Daher ist es kein Wunder, dass nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen und Freunde nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen: Manche Angehörigen neigen dazu, dem Betroffenen alles abzunehmen. Zu viel Schonung ist jedoch nicht gut, weder körperlich noch psychisch. Dadurch kann sich die Fatigue unter Umständen noch verschlimmern. Andere reagieren mit Unverständnis. Insbesondere wenn Fatigue zu einem Zeitpunkt auftritt, zu dem man bereits als geheilt gilt. Als Patientin oder Patient bekommt man vielleicht öfter das Gefühl vermittelt: "Jetzt stell dich nicht so an". Aus diesen Gründen kann es je nach Situation sinnvoll sein, enge Angehörige oder Partner zum Arztbesuch mitzunehmen. Auch Angehörige sollten sich dann nicht scheuen, den Ärzten Fragen bezüglich der Fatigue zu stellen

Ursachen einer Fatigue:Bei vielen Betroffenen lässt sich eine Fatigue auf die Nebenwirkungen der Krebstherapie zurückführen: Eine Operation, eine Bestrahlung, eine Chemotherapie oder Immuntherapie sowie andere medikamentöse Therapien kosten den Körper Kraft. Von diesen Belastungen muss man sich zunächst erholen. Therapiefolgen und Krankheitssymptome als Auslöser: Nebenwirkungen der Behandlung, aber auch Schmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit, Fieber oder Infektionen und weitere Belastungen stören diese körperliche Erholung und können ihrerseits zu Fatigue beitragen. Ein wichtiges Beispiel: Hat eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung die Neubildung von Blutzellen im Knochenmark beeinträchtigt? Dann kann die Zahl der roten Blutkörperchen absinken, der Erythrozyten: Folge sind eine schlechtere Sauerstoffversorgung und damit eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Die Krebstherapie kann Patienten noch auf einem weiteren Weg belasten: Untersuchungs- und Behandlungstermine müssen eingehalten werden, und für fast alle Betroffenen verändert sich insgesamt der Tagesrhythmus. Man isst, schläft und bewegt sich nicht mehr wie gewohnt. Schlafmangel, aber auch Muskelabbau durch längere Bettruhe und geringe Aktivität führen zu geringerer Belastbarkeit. Insgesamt fordern die psychischen Belastungen der Erkrankung bei vielen Betroffenen ihren Preis: Sorgen und Ängste können zu Schlafproblemen führen. Sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es weitergeht, kostet Kraft, auch im geistigen und emotionalen Sinn.

Die gute Nachricht für Betroffene: Bei den meisten Patienten mit Symptomen einer akuten Fatigue bessert sich die Situation innerhalb von etwa drei Monaten nach dem Ende der Krebsbehandlung. Tumor als Ursache: Auslöser einer akuten Fatigue kann allerdings auch der Tumor selbst sein. Plötzliche und ungewohnt starke Erschöpfung gilt deshalb ebenso wie auffällige Schmerzen oder andere Symptome als Warnzeichen, dass etwas im Körper nicht stimmt. Eine Fatigue kann beispielsweise entstehen, wenn Stoffwechselprodukte des Tumors normale Abläufe im Körper stören. Ganz allgemein benötigt das Wachstum der Krebszellen Energie, die Muskeln und Organen dann fehlt. Ein Hinweis darauf ist beispielsweise eine Gewichtsabnahme, obwohl man normal gegessen hat. Hier schafft am schnellsten die Behandlung der Krebserkrankung Abhilfe.

Chronische Fatigue: Viel schwieriger ist die Suche nach den Ursachen einer chronischen Fatigue. Konkrete medizinische Auslöser für eine extreme Erschöpfung, die sich Monate und Jahre nach abgeschlossener Krebsbehandlung zeigt, lassen sich nur bei vergleichsweise wenigen Betroffenen finden. Anhand des bisherigen Forschungsstandes gehen Fachleute aber auch hier davon aus: Mehrere Auslöser kommen infrage und wirken bei vielen Patienten zusammen. Als mögliche Ursachen gelten bisher unterschätzte Langzeitfolgen der Krebstherapie. Infrage kommen auch Begleiterkrankungen, die nicht zwangsläufig etwas mit der Tumorerkrankung zu tun haben müssen. Was Betroffene oft nicht wissen: Bewegungsmangel und zu viel Schonung können eine chronische Fatigue verstärken, anstatt sie zu bessern. Man läuft Gefahr, in einen regelrechten Teufelskreis zu geraten. Eine wichtige Rolle scheinen seelische und soziale Belastungen zu spielen. Aber welche Rolle spielt Depression als Auslöser einer Fatigue und umgekehrt Fatigue als Auslöser einer Depression? Dazu ist noch Forschung notwendig. Klar ist allerdings: Einen Zusammenhang gibt es.
Behandlung und Linderung: Die Symptome der tumorbedingten Fatigue sind vielfältig, und die Ursachen sind teilweise noch nicht erforscht. Was einem Patienten mit akuter Fatigue hilft, muss nicht unbedingt sinnvoll für einen Patienten mit chronischer Fatigue sein. Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung und Fatigue benötigen andere Unterstützung als Patienten, die rein körperlich im Großen und Ganzen wieder gesund sind. Die Behandlung wird sich immer an der individuellen Situation orientieren. Bei der Suche nach den Auslösern werden die Ärzte zunächst die Auswirkungen der Krebstherapie prüfen: Wichtig ist dies vor allem für Patienten mit einer akuten Fatigue. Denn bei ihnen bessern sich die Symptome oft mit dem Ende der Krebstherapie – auch wenn keine weiteren Maßnahmen erfolgen und man nicht gezielt die Fatigue behandelt. Wichtig ist aber auch die Frage, ob es andere Auslöser gibt, gegen die man etwas tun kann: Halten starke Schmerzen oder Übelkeit und Erbrechen vom Schlafen ab? Liegt ein Infekt vor, der dem Körper die Kraft nimmt? Fehlen dem Körper Nährstoffe oder Flüssigkeit? Gegen diese Probleme gibt es wirksame Abhilfe, mehr dazu unter "Belastende Symptome und was man dagegen tun kann". Blutarmut: Therapie nicht unbedingt erforderlich Eine weitere mögliche Nebenwirkung einiger Krebstherapien stand lange im Vordergrund, wenn es um das Thema Fatigue ging: Blutarmut, fachsprachlich Anämie. Sie kann entstehen, wenn eine Chemotherapie oder eine umfängliche Bestrahlung das Knochenmark schädigen, und die Produktion von Blutzellen ins Stocken kommt. Auch die Tumorerkrankung selbst kann eine Anämie auslösen. Bei einer Anämie sind zu wenige rote Blutkörperchen, sogenannte Erythrozyten, im Blut vorhanden. Dies führt dazu, dass der Körper nur eingeschränkt mit Sauerstoff versorgt ist. Damit ist die körperliche Belastbarkeit zeitweilig eingeschränkt. Heute weiß man, dass sich die meisten Patienten ohne Behandlung von einer Blutarmut erholen, nachdem die Krebsbehandlung abgeschlossen ist. Nach einiger Zeit werden wieder ausreichend viele Blutzellen im Knochenmark gebildet. Eine Ausnahme sind Betroffene mit fortschreitender Erkrankung: Lässt sich bei ihnen eine Anämie nicht anders lindern, können sie Bluttransfusionen oder sogenannte Wachstumsfaktoren erhalten. Diese Wachstumsfaktoren stimulieren die Neubildung von Erythrozyten, sie werden als "Erythropoese-stimulierende" Wirkstoffe bezeichnet. Die Therapie kann jedoch erhebliche Nebenwirkungen haben, vor allem die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel oder schwere Hautreaktionen. Deshalb werden sie heute nur noch dann eingesetzt, wenn die Anämie die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigt. Auf Begleiterkrankungen achten Eine schwere Erschöpfung kann auch durch Herz- oder Lungenerkrankungen ausgelöst werden, oder durch eine Schilddrüsenunterfunktion. Auch auf solche möglichen Ursachen werden die Ärzte bei der Abklärung achten.
Auf Begleiterkrankungen achten Eine schwere Erschöpfung kann auch durch Herz- oder Lungenerkrankungen ausgelöst werden, oder durch eine Schilddrüsenunterfunktion. Auch auf solche möglichen Ursachen werden die Ärzte bei der Abklärung achten.

Anstrengen statt schonen: Dieses Konzept scheint bei schwerer Erschöpfung zunächst eher merkwürdig. Bewegung hat sich jedoch als wirksames Mittel gegen Fatigue erwiesen. Studien belegen: Wer aktiv ist, fühlt sich leistungsfähiger und ist weniger erschöpft. Krebspatienten sollten deshalb mit ihren behandelnden Ärzten klären, ob körperliche Aktivität möglich ist. Wichtig ist die Frage, wie viel körperliche Aktivität angemessen und welche Form von Bewegung sinnvoll ist. Klare Empfehlungen von Fachleuten für bestimmte Sportarten oder zur Dauer und Häufigkeit der Aktivitäten gibt es derzeit nicht. Dafür ist erst noch weitere Forschung notwendig. Grundsätzlich gilt: Jedes Bewegungsprogramm sollte man den eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten anpassen. Damit man nicht gleich zu Anfang die Lust verliert oder sich versehentlich überfordert, raten Fachleute: Lieber sanft beginnen und sich langsam steigern. Am besten startet man mit Übungen unter fachkundiger Anleitung, etwa in einer Krebssportgruppe. Dort gehören zu den Trainingseinheiten, die eher auf Kraft und Ausdauer zielen, meist auch abschließende Entspannungsübungen oder Elemente aus Yoga oder Qigong.

Kräfte einteilen im Alltag. Immer kleine Ruhepausen einplanen.

Vielen Betroffenen helfen bereits kleine Verhaltensänderungen im Alltag. Sind die eigenen Energiereserven begrenzt, sollte man sie gut einteilen. So banal dies klingt – im Alltag fällt es vielen Menschen schwer, aus dem bisher gewohnten Tagesablauf auszubrechen. Trotzdem sollte man Aktivitäten möglichst so über den Tag verteilen, dass sie sich ohne größere Anstrengung erledigen lassen. Auch wenn man es bisher nicht gewohnt war, eine Mittagspause zu machen oder sich gar tagsüber hinzulegen: Eine anstrengende Krebstherapie kann der Anlass dafür sein. Wie man wieder zu Kräften kommt und in den Alltag zurückfindet, ist ein wichtiges Thema der Rehabilitation. Auch einige psychosoziale Krebsberatungsstellen bieten mittlerweile sogenannte Fatigue-Trainings an, in denen Betroffene im Umgang mit den Belastungen einer Fatigue geschult werden.

Besser ruhen: Schlafhygiene, Entspannungsübungen und Ablenkung

Viele Menschen kannten dieses Problem schon vor ihrer Krebserkrankung: Man hat zwar lange genug gelegen, aber trotzdem das Gefühl, dass der Schlaf nicht erholsam war. Ein gestörter Schlaf kann Fatigue auslösen oder sie verstärken. Noch länger im Bett zu bleiben, ist dann nicht unbedingt hilfreich: auch zu viel Schlaf kann zu Fatigue beitragen. Fachleute raten Betroffenen, auf einen möglichst regelmäßigen Schlaf- und Wachrhythmus sowie einen gut strukturierten Tagesablauf zu achten. Wenn es gar nicht anders geht, können die behandelnden Ärzte kurzfristig schlafanstoßende Mittel verordnen. Auf Dauer sind sie jedoch für die wenigsten Menschen eine Lösung. Vorsichtig sollte man mit frei verkäuflichen Mitteln sein: Manche können zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten führen. Für manche Betroffene sind Entspannungsverfahren wie die "progressive Muskelrelaxation", autogenes Training, Yoga, Qigong oder Meditation entlastend.

 

Massagen können manchen Betroffenen ebenfalls helfen.

 

In Studien wurde auch geprüft, ob gezielte Ablenkungen die Lebensqualität steigern, etwa durch Musik hören, Lesen oder die Beschäftigung mit einem Hobby. Wie wirksam diese Maßnahmen bei einer Fatigue sind, konnte allerdings nicht abschließend geklärt werden.

Gut versorgt sein: Ausgewogene Ernährung und Ernährungsberatung

Eine Krebserkrankung und ihre Behandlung können in Sachen Ernährung einiges durcheinanderbringen. Während und noch einige Zeit nach einer Therapie leiden viele Patienten unter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Problemen bei der Nahrungsaufnahme. Bei manchen Patienten gerät der Flüssigkeitshaushalt durcheinander. Sowohl die fehlenden Kalorien als auch die Verschiebungen im Mineralstoffwechsel, beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit. Die Folge: Man fühlt sich müde und schlapp. Ist man unsicher, ob man sich wirklich ausgewogen ernährt? Dann kann man den behandelnden Arzt um eine Ernährungsberatung oder eine entsprechende Überweisung bitten. Qualifizierte Ernährungsberatung gibt es auch in vielen Krebszentren und in den Reha-Kliniken. Die Krankenkassen können ebenfalls Ansprechpartner nennen.

Medikamentöse Therapie: Stimulanzien bisher ohne festen Stellenwert Die Behandlung der Fatigue erfolgt heute in erster Linie ohne Arzneimittel: Aktuell können Fachleute keine Medikamente empfehlen, die direkt oder indirekt gegen eine schwere tumorbedingte Erschöpfung wirken. Derzeit werden in Studien sogenannte Psychostimulanzien getestet, zum Beispiel Methylphenidat. Sie wirken zwar anregend, haben aber auch starke Nebenwirkungen wie Nervosität, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit. Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung erhalten unter Umständen auch sogenannte Steroide ("Kortison"). Steroide wirken entzündungshemmend und können dadurch die Müdigkeit eindämmen. Das bisherige Fazit der Wissenschaftler: Insgesamt konnte in Studien nicht eindeutig belegt werden, dass entsprechende Arzneimittel Krebspatienten mit Fatigue tatsächlich nützen. Sie kommen deshalb in der Regel nur infrage, wenn sich eine tumorbedingte Fatigue durch andere Verfahren nicht lindern lässt.

Wie sieht es mit freiverkäuflichen Mitteln gegen Müdigkeit aus? Sollte man sich Koffeintabletten oder andere "Wachmacher" besorgen, die es in der Apotheke oder als Nahrungsergänzungsmittel gibt? Wie sieht es mit Vitaminpräparaten oder Mineralstoffen aus? Zu diesem Thema ist viel geforscht worden, bisher jedoch mit eher enttäuschenden Ergebnissen: Es gibt keine "Aufbaumittel" oder Vitamine und Mineralstoffe, deren Nutzen einwandfrei belegt wäre. Wichtig ist: Wer während einer Krebserkrankung eigenständig etwas gegen Fatigue einnehmen möchte, sollte vorher immer Rücksprache mit seinem Arzt halten: Manche Mittel können zu unerwünschten Wechselwirkungen mit der Krebstherapie führen. Gemeinsam mit seinem Arzt kann man herausfinden, was in der eigenen Situation nützt oder eher schadet. Manche Mittel, die frei verkäuflich sind oder übers Internet bestellt werden können, sind nicht gesund. Hier raten Fachleute zur Vorsicht: Nahrungsergänzungsmittel dürfen per Gesetz in Deutschland keine wirksamen Stoffe enthalten, von denen ein therapeutischer Effekt zu erwarten wäre. Das wird bei vielen Produkten verschwiegen, die man online oder im Versandhandel bestellen kann. Kommt das Produkt aus dem Ausland, so kann es Probleme mit der Qualität geben, von gefährlichen Inhaltsstoffen, etwa Aufputschmitteln, bis hin zu Verunreinigungen. Trotzdem stößt man im Internet auf entsprechende Angebote gegen Fatigue.

Psychoonkologische und psychosoziale Hilfen:

Krebs belastet nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Sorgen, Angst und Schlaflosigkeit verstärken bei nicht wenigen Betroffenen die Symptome einer Fatigue, vor allem wenn die Erschöpfung chronisch ist und sich kaum körperliche Ursachen dafür finden lassen. Die anhaltende Schwäche kann sich wiederum auf die Stimmung auswirken. Doch hier gibt es eine Grauzone: Mit einer Krebserkrankung und ihren Folgen zu leben, gilt als ein Risikofaktor für eine Depression. Nach wie vor bleibt es selbst für Fachleute manchmal schwer, eine chronische Fatigue und eine Depression sicher voneinander abzugrenzen. Die Erfahrung zeigt jedoch, psychologische Unterstützung kann sowohl bei Depression als auch bei Fatigue hilfreich sein. Vor allem Patienten mit einer chronischen Fatigue profitieren nicht nur von der Behandlung der rein körperlichen Ursachen, sondern auch von psychoonkologischer Beratung. Psychologische Hilfe kann Betroffenen mit einer akuten Fatigue helfen, bis sich ihre Symptome bessern.

In Krankenhäusern und vor allem in Reha-Kliniken gibt es in der Regel geeignete Beratungsangebote: Geschulte Mitarbeiter bieten Unterstützung bei der Bewältigung der Krankheitssituation, in Einzelgesprächen oder in der Gruppe. Sie können außerdem bei vielen konkreten Sorgen weiterhelfen, etwa, wenn es um die Rückkehr an den Arbeitsplatz geht. Für ambulant betreute Krebspatienten sind die regionalen psychosozialen Krebsberatungsstellen eine gute Anlaufstelle. Ist die seelische Belastung durch eine Fatigue stark ausgeprägt? Dann sollte man bei einer chronischen Erschöpfung auch eine Psychotherapie zur Unterstützung in Betracht ziehen. Die Fachliteratur zeigt: Im Zusammenhang mit Fatigue haben sich verhaltenstherapeutische Ansätze und sogenannte achtsamkeitsbasierte Verfahren bewährt. Psychotherapeutische Unterstützung findet man hauptsächlich bei niedergelassenen Psychotherapeuten. Die Therapie erfolgt auf Grundlage regelmäßiger Gespräche und ist meist längerfristig angelegt. Ob Antidepressiva sinnvoll sind, gehört ebenfalls zu den Fragen, bei denen die Fachleute weiterhelfen.



Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/leben/fatigue/fatigue-index.php
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