Massage im Rahmen der palliativen Betreuung

Für einen Menschen in dessen letzten Lebensphase helfend da zu sein, gilt als eine der Grundlagen unserer Humanität: Man hat natürlich da zu sein im unabänderlichen Extrem eines Menschen, welches sich am Ende dessen Lebensbogens stellt.

Am Anfang des Lebens, pränatal, während seiner Geburt und postnatal muss der Mensch in seiner Hilflosigkeit auch umhegt, umpflegt, beschützt, bewacht und rundum versorgt sein. Das Urvertrauen wird in ihm erweckt. Die Palliativ Care am langsam Sterbenden will es an dessen Lebensede auch noch zu guter Letzt erfüllen. Wie der Beginn, so das Ende.

Der ganze Mensch steht auch in der ganzheilichen Umsorgung im Mittelpunkt, nicht mehr betont die Heilung einer Erkrankung oder zumindest deren Linderung bis in das Wertestadium unserer Gesellschaft, dass man gar wieder beruflich arbeitet.

Diese spezielle Fürsorge der Pallation soll auch schlimmeren Leiden und Komplikationen vorbeugen, soll dem Patienten eine individuell angepasste, optimierte Lebensqualität gewährleisten. Sie schließt ärztliche und andereTherapien ( z.B. psychologische und/oder Massagetherapien), pflegerische Inervensionen, soziale und konfessionsspezifische Begleitung und Unterstützung mit ein. Auch nahestehende Bezugspersonen werden weitestgehend mit einbezogen, um ein möglichst gutes Fürsorgeteam zu bilden: jede/r will sein/ihr Bestes als Beitrag geben.

Was kann hier nun ein Profimasseur leisten?

....Es ist die hächste Massage- bzw. Berührungskunst gefragt!

Das Therapieziel ist, dem Patienten/der Patientin so rasch und so viel wie möglich das Leid der Schmerzen und der Angst vor den Schmerzen und dem Sterben selbst zu nehmen.

Palliative Betreuung

Diese Art von Betreuung gehört immer mehr auch zum Berufsbild eines Heilmasseures. Eine dazugehörige Aus- bzw.Weiterbildung für diese Berufsgruppe ist leider (noch) nicht wirklich in irgendeiner Form zu finden. Am besten, so meine Erfahrung, selbst suchen und selbst finden und einen für sich persönlich den geeignetsten Lehrplan/die Kursabfolge zusammenstellen. Wen es interessieren sollte, am besten (oder einfachsten), mich kontaktieren. Ein erster Hinweis dazu: am 30. Juni 2018 fand im Rahmen meiner Sommerakademiereihe in Stockerau einen eintägigen Workshop zur Einführung "Massage, manuelle Lymphdrainage bei palliativen Patienten und Patientinnen" statt. Dieses Sommerakademie wird  in den nächsten Jahren fortgeführt werden und es wird spezielle Palliaiv-Themen für Masseure geben. Nähere Informationen darüber auf der Seite der IMS.

Definition "Palliative Betreuung"

Palliativpflege und -betreuung umfasst das pflegerische Fachwissen sowie spezielle Maßnahmen und Leistungen, die innerhalb des ganzheitlichen Konzeptes der Palliative Care (Palliativversorgung) bzw. in der Palliativmedizin von Pflegefachkräften und Therapeuten/Therapeutinnen erbracht werden und der Verbesserung der Lebensqualität von Pflegebedürftigen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen oder terminalen Erkrankungen dienen. Schwerpunkt dieses Konzeptes ist die „Vorbeugung und Linderung von Leiden durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art“. Hierbei überschneiden sich die  Pflegeprozesse der allgemeinen und speziellen  karativorientierten Pflege mit der Palliativpflege beziehungsweise gehen in vielen Bereichen fließend ineinander über und ergänzen sich.

Analog zu der Herkunft des Begriffs palliativ, der aus dem Lateinischen (von pallium, ‚Mantel‘, beziehungsweise palliare, ‚bemänteln‘, ‚verbergen‘, ‚umhüllen‘) stammt, versteht sich die palliative Pflege als über den Tod hinausgehende, bedürfnisorientierte Begleitung, die das individuelle Wohlbefinden steigern und Sicherheit und Geborgenheit in allen Stadien des Leidens und Sterbens vermitteln soll und das persönliche Umfeld mit einbezieht. Die Pflegenden sind in diesem Rahmen integraler Bestandteil des interdisziplinäen Palliative-Care-Teams, zu dem neben Ärzten, Seelsorgern und verschiedenen Therapeuten  auch freiwillige Helfer gehören.

Wann soll Palliative Care beginnen?

Dass sich Palliative Care mit der Behandlung der physischen, psychosozialen und spirituellen Beschwerden schwerkranker Menschen befasst, ist in der Definition der WHO festgelegt. Unklar war bisher, zu welchem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf diese Betreuung einsetzen soll. Neue Studien mit Krebspatienten geben nun eine eindeutige Antwort darauf.

In einer Studie von Patienten mit einem primär metastasierten und inoperablen Lungenkrebs wurde eindeutig gezeigt, dass eine zusätzlich zur regulären onkologischen Therapie durchgeführte begleitende Palliative Care, die schon zum Zeitpunkt der Diagnosestellung begonnen und bis zum Lebensende beibehalten wird, die Lebensqualität dieser Patienten hochsignifikant verbessert und außerdem hilft, belastende Therapien am Lebensende zu vermeiden.

Diese Maßnahmen führen außerdem nicht dazu, dass die somit im gesamten Krankheitsverlauf gleichzeitig von Onkologen und Palliativmedizinern behandelten Patienten früher sterben würden. Die Studien weisen im Gegenteil eher auf einen Überlebensvorteil  derartig behandelter Patienten hin.

Frühe Palliative Care ist insgesamt von Vorteil

Diese Daten zeigen, dass zumindestens beim inoperablen, primär metastasierten Lungenkrebs ein früher Einsatz der Palliative Care den Verlauf der Erkrankung äußerst günstig beeinflusst und deshalb dieser Patientengruppe auch angeboten werden sollte.

Die WHO-Definition von Palliative Care legt klar die Aufgaben und Ziele von Palliative Care dar und geht auf Erkrankungen ein, in deren Verlauf Palliative Care Anwendung finden soll.

Nicht definiert ist allerdings der Zeitpunkt im Krankheitsverlauf, an dem spezialisierte Palliative Care beginnen soll. In der Praxis wird mit Palliative Care vor allem die Betreuung am Lebensende von Patienten mit unheilbaren Erkrankungen verstanden. Zuletzt haben sich aber Stimmen gemehrt, die für einen möglichst frühen Beginn einer palliativen Betreuung in einem derartigen Krankheitsprozess plädieren.

Weil unterschiedliche Krebserkrankungen ganz unterschiedlich lange Krankheitsverläufe aufweisen, haben bisherige Studien, die die Auswirkungen eines frühen Beginn von Palliative Care untersucht haben, äußerst widersprüchliche Ergebnisse erbracht.

Neue Studie untersucht frühe Palliative Care

Die nun vorliegende Studie hat deshalb nur Patienten mit einer einzigen Krebsart untersucht (Lungenkrebs) und dabei auch nur diejenigen, die zum Zeitpunkt der Diagnose schon so weit fortgeschritten waren, dass eine Operation nicht zielführend war und mit Strahlentherapie und Chemotherapie zwar eine Verbesserung der Überlebenszeit, aber keine nachhaltige Heilung zu erwarten war.
Diese Patienten erhielten alle die reguläre Chemotherapie und Strahlentherapie durch den sie behandelnden Onkologen.  Die Hälfte von ihnen wurde aber zum Zeitpunkt der Diagnose einem Palliative Team vorgestellt und von diesem im Krankheitsverlauf weiter betreut. Kontakte mit dem Palliativteam fanden mindestens einmal pro Monat statt, konnten auf Wunsch der Patienten aber auch häufiger erfolgen. Das Palliativteam hat dabei nach einem streng standardisierten Protokoll bei jedem Besuch die körperlichen, psychischen und sozialen Beschwerden und Probleme der Patienten analysiert, entsprechende palliativmedizinische Therapien und Hilfestellungen eingeleitet und die Patienten auf ihrem Weg begleitet. Zusätzlich wurden, wenn dies vom Patienten als notwendig erachtet wurde, Therapieentscheidungen zwischen dem betreuenden Onkologen und Palliativmediziner gemeinsam besprochen.

Vielversprechende Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass die von Onkologen und Palliativmedizinern gleichzeitig und gemeinsam durchgeführte Betreuung die Lebensqualität der Patienten signifikant verbessert. Außerdem vermindert sie signifikant invasive Therapien am Lebensende (wie Aufenthalte auf Intensivstationen, Strahlentherapie und Chemotherapie), ohne dass dadurch ein Verlust an Lebenszeit in Kauf genommen werden müsste.

Nachdem die Studie allen Kriterien der so genannten Evidenz Based Medicine entspricht, sind die Ergebnisse als extrem verlässlich zu werten und sollten entsprechende Folgen für das Betreuungskonzept dieser Patienten in der Praxis haben.